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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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dass sie ihr eine Brausteuer auferlegen zu können geglaubt hat. Die Steuer wird im Bierpreise wieder erscheinen und wie in fast allen ähnlichen Fällen, auf den Konsumenten abgewälzt werden. Neben der Biererzeugung nimmt die Mineralwasserfabrikation einen beachtlichen Umfang an. Die Brennereiindustrie wird mit dem wachsenden Umfange des Anbaues von Mais, Kartoffeln und Wein immer günstigere Produktionsbedingungen vorfinden. Die Auf­nahmefähigkeit des Inlandsmarktes ist ja nicht unbedeutend, für die Produkte der Kognakbrennerei scheint Export durchaus nicht aus­geschlossen. Die Anfänge zur industriellen Verwertung von Leder tragen noch handwerksmässigen Charakter, immerhin ist es z. B. schon jetzt in Windhuk möglich, Schuhwaren aus inländisch ge­wonnenem und verarbeitetem Material zu erhalten. Beachtlich sind die Unternehmungen zur Bearbeitung und Herstellung von Stein­materialien. In Windhuk fabrizieren die deutsch-afrikanischen Sandsteinwerke ein sehr brauchbares Material an Bausteinen, Orna­mentsteinen, Fussbodenbelag, Trottoirplatten usw., und in der Gegend von Kubas fängt man an, den dort vorhandenen schönen weissen Marmor abzubauen und zu bearbeiten. Der inländische Bedarf an Marmor geht freilich nicht viel über Grabdenkmäler hinaus; in Zukunft verwendet man Marmor vielleicht in umfang­reicherer Weise bei den zuweilen noch recht schlichten und stil­losen Bauten. Bei der evangelischen Kirche in Windhuk hat man den Anfang gemacht, die Verzierungen der Fensteröffnungen sind zum Teil in weissem Kubasmarmor gehalten.

Sehr weit vorgeschritten ist im Lande die teils handwerks- mässig, teils farbikmässig betriebene Wagenbauerei. Die Firma E. Hälbich Witwe in Otjimbingwe marschiert hier an der Spitze, sie besteht länger als die deutsche Schutzherrschaft und mancher Ochsenwagen und manche Karre sind aus dieser soliden und leistungsfähigen Wagenbauerei ins Land gegangen. Auch in Wind­huk und anderwärts hat die Wagenbauerei leistungsfähige Vertreter.

Industrielle Unternehmungen im Grossbetriebe dürfen erhofft werden, wenn in etwa vier bis sechs Jahren die Deutsche Farm­gesellschaft (Liebig-Kompagnie) zur Errichtung ihrer Fleischver­wertungsanlagen schreiten wird.

e) Geld- und Kreditwesen.

Aus der Natur des Handels und dem Gang seiner Entwicklung ergab sich, dass anfänglich britisches Geld im Schutzgebiete allein