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nügenden Ergänzung der natürlich vorhandenen Weide durch die zu ihrer Ausnutzung weiter erforderlichen Voraussetzung, es fehlt am Wasser. Damit soll nicht gesagt sein, dass das Land arm an Wasser sei, im Gegenteil, es ist genügend Wasser erschliessbar, aber noch ist das Land arm an erschlossenem Wasser. Die Erschliessung des in die Tiefe sinkenden Wassers durch Bohrung und die Stauung der während der Regenzeit ungenutzt abfliessenden Millionen und Abermillionen von Kubikmetern Wassers muss in ganz anderem Umfange noch als bisher betrieben werden. Wohl ist manches geschehen, aber es muss noch viel mehr geschehen. Dabei ist es für die Praxis vollkommen gleichgültig, ob man die Wünschelrute des Herrn v. Uslar oder die Erfahrungstatsachen geologischer und hydrographischer Wissenschaft zu Hilfe nimmt, ob man mit Bohrkolonnen oder mit Dammbaukolonnen, mit Ingenieuren oder mit Wasserbaumeistern, mit kapländischen oder deutschen Maschinen vorgeht, wenn man nur überhaupt die Erschliessung nachhaltig fördert. Hand in Hand mit planmässiger Förderung der natürlichen Produktionsverhältnisse muss das Bestreben gehen, nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch qualitativ auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Das unter den natürlichen Verhältnissen bestmögliche Produkt ist allein erstrebenswert, sei es, dass es sich um Rindviehzucht, um Woll- produktion, oder um Erzeugnisse der Garten- und Feldwirtschaft handelt.*)
c) Die Gewinnung von Bodenschätzen.
Neben der Farm- und Viehwirtschaft kommt als Hauptwirtschaftsform für Deutsch-Südafrika die Gewinnung von Bodenschätzen in Betracht. Von einer nennenswerten Entwicklung dieser Wirtschaftsform ist erst seit wenigen Jahren die Rede, so dass das Land gegenwärtig noch in den Anfängen auch der bergwirtschaftlichen Erschliessung steht. Immerhin sind die Verhältnisse soweit geklärt, dass auf ein weiteres Vorwärtsschreiten der jetzigen Entwicklung mit Sicherheit gehofft werden darf.
Die nutzbaren Bodenschätze des Landes wirkten schon vor der deutschen Schutzherrschaft als Lockmittel, ohne dass es jedoch zu einem dauernden Abbau gekommen wäre. Besonders war es
*) Ueber praktische Farmwirtschaft vgl.: Ernst Hermann, „Viehzucht und Bodenkultur in Südwestafrika“, 3. Aufl., Berlin 1907, und Karl Schlettwein, „Der Farmer in Deutsch-Südwestafrika“, Wismar 1907.