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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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waltung wurden zwar auch angenommen, aber nur mit einer einzigen Mehrheitsstimme. Die Grundzüge des Entwurfs fanden während des Aufenthalts des Staatssekretärs Dernburg in Deutsch- Südafrika während der Monate Juli und August 1908 dessen Billigung, der Entwurf wurde im Reichskolonialamt geprüft und in nochmals durchgearbeiteter Form als Reichskanzlerverordnung unter dem 28. Januar 1909 publiziert.

b) Die Grundzüge der geplanten Selbstverwaltung.

Das Ziel einer verständigen Kolonialverwaltung, sagt Dern­burg in seiner Programmrede vom 28. November 1906 vor dem deutschen Reichstage,muss sein die Schaffung von mit dem Vaterlande eng verbundenen, administrativ unabhängigen, wirt­schaftlich gesunden Kolonien. Und in den Bausteinen zu seinem Programm, wie er die damals dem Reichstag vorgelegten Denk­schriften selbst nannte, führt Dernburg diesen Gedanken noch weiter aus.Als Ziel einer erfolgreichen Kolonialpolitik darf man wohl die wirtschaftliche Selbständigkeit der einzelnen kolonialen Gebiete und im Zusammenhang damit eine gewisse Selbstver­waltung der Gebiete im engen Anschluss an das Mutterland hin­stellen. Der Zeitpunkt für die Gewährung grösserer Selbstver­waltung hängt aber wieder zum Teil davon ab, dass die Kolonie finanzwirtschaftlich selbständig geworden ist. Man wird dieser Auffassung sowohl vom Standpunkt der Interessen des Mutter­landes wie der des Schutzgebietes nur beipflichten können, denn es lässt sich ein Schutzgebiet nicht in alle Einzelheiten allein durch heimische Instanzen regieren und, um auch hier mit den Worten Dernburgs aus der erwähnten Rede zu sprechen,wenn wir die Leute in den Kolonien nicht selbst verantwortlich machen, so lange sie kein eigenes Interesse an ihrer Sache haben, so lange sie nicht an dem Ausbau ihres eigenen Landes ein Vergnügen finden, an dem Ausbau administrativer Veranstaltungen, werden wir solche Leute nicht hinaus bekommen, wie sie draussen notwendig sind: das ist die notwendige Erweckung des Gemeinsinns auch da draussen. Die erste Etappe auf dem Weg zu den hier gekenn­zeichneten Zielen ist die jetzt gewählte Form der Selbstverwaltung.

Wie wir gesehen haben, war in der Vergangenheit der Be­völkerung an der Bezirksverwaltung und an der Landesverwaltung eine wenn auch eng begrenzte Teilnahme gewährt worden. Der praktische Versuch einer Gemeindeselbstverwaltung konnte bisher nicht unternommen werden. Und doch muss hierin der Schwer-