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über Bandum und Mboaga nach Ngambe. Als der Häuptling von Bandum, der damals noch selbständig war, den von Bamkin um das ngumbe bat, sandte Bamkin mehrere Leute, die gegen die hohe Bezahlung von vier Ziegen, Hühnern und Palmöl •ngumbe voitanzten. Das Kind des Bandum, ein Mädchen, schlugen sie tot, weil es zuschauen wollte; aber es wurde ihnen in Bandum kein Haar gekrümmt. Sie nahmen ngumbe wieder mit in ihre Heimat und haben es erst gegen weitere Geschenke und das feste Versprechen, niemals ein Weib zuselien zu lassen, den Leuten von Bandum abgelassen. Heute ist der Totentanz in Ngambe (mit Bandum und Mboaga), in Bukamba, Ditam, Bamkin und Bandam bekannt, in Njua, Bengbeng, Lomonji und Jakong weiß man nichts davon. Auch nach Bamum ist ngumbe gekommen und soll dort getanzt werden.
Unsre Bemühungen, einen ngumbe -Schild ( aba ) zu kaufen oder auch nur zu sehen, schlugen fehl; der Priester und seine Familie waren nicht zu bewegen, einen zu zeigen, denn ngtimbe ist ihr größtes Geheimnis 1 .
Spiele und Spielzeug der Kinder
Abgesehen von kleinen, als Spielzeug dienenden Musik-Instrumenten 2 haben wir im ganzen Ost-Mbamland, bei Tikar, Wüte und allen andern Stämmen, nur ein einziges wirkliches Spielgerät beobachtet, das zu diesem Zweck angefertigt war: Tanzpüppchen, die an Schnüren hängen. Ein Tikar-Junge aus Njua
hatte sie sich selbst hergestellt und vergnügte sich damit, eine Anzahl Kinder und Erwachsener sahen lachend zu. Der Sinn des Spielzeugs ist die Nachahmung des Tanzspiels mböTig-ngegang, das ja die Aufforderung zum Geschlechtsverkehr darstellt 3 . Bei den Püppchen ist das verschleierte Motiv des Tanzspiels bis zum äußersten enthüllt und ausgeführt. Die aus leichtem Raphia-Holz geschnitzten Püppchen zeigen am oberen Ende ganz roh Kopf und Hals, zwei Beine baumeln an Fäden in Löchern am unteren Ende; durch das Kopfende sind Löcher gebohrt, und durch sie ist die Schnur geführt, an der die Püppchen hängen. Das Paar von Püppchen stellt Mann und Frau dar, die ganz roh aber höchst drastisch körperlich gekennzeichnet sind: ein eingekerbter
Spalt bei der Frau, ein eingesteckter kleiner Pflock beim Mann. Wie die Zeichnung (Fig. 32) veranschaulicht, befestigt der Spieler die Schnur, an der die Püppchen einander gegenüber hängen, an seinen großen Zehen. Mit gespreizten Beinen auf dem Boden sitzend, klopft er leise mit beiden Händen gegen die Knie; die Püppchen bewegen sich gleitend auf den Schnüren. Durch leises Heben und Senken des einen oder des andern Fußes läßt der Spieler beide Püppchen - wie beim Tanz der Erwachsenen — in einiger Entfernung von einander einige Zeit hin- und zurückgleiten, schließlich läßt er sie sich ganz nähern und sich berühren, was bei ihm selber und bei allen Zuschauern größte Heiterkeit hervorruft. Dann beginnt das Spiel von Neuem. Der Knabe, der sich das Spielzeug gefertigt hatte, mochte etwa 10 Jahre alt sein; er vergnügte sich damit in größter Harmlosigkeit,
1 Die Zeichnung Fig. 31 ist, nach Mbos Angaben entworfen und von ihm gut geheißen 3 Tafel 33 Nr. 8.
3 Vergl. S. 110.