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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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Geistige Kultur

Gemeinschaft

Name

Die Tikar bezeichnen sich selbst als tikfili. Fragt man sie nach dem Ur­sprung von Geräten oder von Sitten, so antworten sietikäli, um sie als ihr ethnisches Eigentum zu bezeichnen. Ihr Land bezeichneten sie uns als -t.ikäli, den einzelnen Mann als tikalidong. Da uns die Kenntnis der Sprache fehlte, konnten wir über den Sinn des dong, ndong oder medong, nach dem wir bei niehreren Leuten fragten, keine Klarheit gewinnen, ndong deckt sich aber mit dem Namen, den in Koelles Polyglotta Africana die Tikar führen 1 .

Familie

Jugend: Die engste und festeste Gemeinschaft, die den Tikar umschließt, ist die Familie, der feste Familienverband bestimmt das Leben des Kindes. Den Vater nennt dasTikarkind ischie, die Mutter mjie oder auch, was hauptsächlich die Ausdrucksweise kleiner Kinder ist, von manchen aber auch später beibehalten wird. Wenn sie ab und an den Vater auch bäbä nennen, so ist dies Wort wahrschein­lich von den Fulla entlehnt, bei denen wir es im Gehöft des Lamido von Tibati aus dem Mund seines kleinen Sohnes hörten. Die Autorität der Eltern entscheidet in allen Fragen, und diese Autorität reicht in die reifen Mannesjahre hinauf. Solange der Vater lebt, schuldet das Kind ihm Gehorsam und Ehrfurcht. Dafür trifft den Vater aber auch die volle moralische Verantwortung für das Tun und Lassen seines Kindes im spätem Leben. Der Vater soll sein Kind durch Strafe und Belohnung so erziehen, daß es den Ansprüchen, die soziale und staat­liche Gemeinschaft stellen, genügt; wenn ein alter Vater die Macht des Häuptlings gegen einen unbotmäßigen erwachsenen Sohn anrufen wollte, würde sein Ver­langen mit der Begründung abgelehnt: warum hast du ihn nicht mehr geschlagen, als er noch klein war ? Lieber läßt der Alte, dem selbst die Kraft dazu fehlt, den Sohn durch andre Leute fangen und binden, prügelt ihn dann oder läßt ihn gefesselt, mit einem Klotz am Bein, einige Tage hungern. Eine andre Strafe als körperliche Züchtigung weiß der Vater nicht anzuwenden, er teilt sie für moralische Fehler, wie Faulheit, Diebstahl, Streitsucht aus, aber auch für Ungeschicklichkeit beim Erlernen der täglichen Arbeiten und der technischen Fertigkeiten, in denen jeder Vater seinen Sohn unterweist. Tüchtige Arbeitsleistungen werden mit

1 Auf diese Übereinstimmung hat uns B. Anckermann freundlichst hingewiesen.