Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
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(ngu ist die große Festzeit 1 ) brich es (das Hirsekorn) schneide es (der Hirse die Ähren ab)

10. nko

11. ngueng

12. füelä

13. linä

14. ngondu

Die Namen ohne besondere Bedeutung sind nicht so allgemein bekannt und gebräuchlich wie die, die sich auf die landwirtschaftliche Arbeit beziehn. Wir erkundeten sie während eines längeren, durch Krankheit verursachten Aufent­halts beim Dorfhäuptling von Bambu, der abends häufig seine alten, weisen Männer zusammenrief, denen vom Dolmetsch unsre Fragen vorgelegt wurden. Es gab längere Beratungen, bis die Reihenfolge der Namen zur allgemeinen Zufriedenheit festgestellt war.

Bildende Kunst und Ornamentik

Als Kunst sind nur solcheÄußerungen eines primitiven Volkes anzu sehen, die sich so weit über rein ornamentale Ausschmückung von Häusern und Geräten erheben, daß man in ihnen eine selbständige Äußerung des menschlichen Geistes erkennen kann, oder solche Erzeugnisse, die, ohne jede Verbindung mit einem Gebrauchs­gegenstand, rein aus Freude und Lust am Darstellen geschaffen sind. Als Bei­spiele rein künstlerischer Erzeugnisse dürfen ohne Bedenken die aus Holz ge­schnitzten großen Trommeln, Thronsessel und Stützpfosten an den Häusern im westlichen Grashochland, besonders in Bamum 2 , angesehen werden, wie auch die großen, wahrscheinlich am Vorbild der Holzschnitzerei dort entwickelten Ar­beiten in Bronze 3 . Bei den Tikar finden wir kein Gegenbeispiel dafür: weder die Lehmornamente an den Hauswänden, noch die Verzierungen der sockelartigen Lehmsitze können als etwas Höheres denn schmückende Ornamentik angesehen werden, auch die an und für sich hoch entwickelte Technik der feinen und kunst­vollen Bronzearbeiten bleibt immer beim rein ornamentalen Schmuck kleiner Geräte und Schmucksachen stehen.

Aber primitive, doch deutliche Zeugnisse reiner Freude am Wiedergeben und Darstellen sinnlicher Eindrücke fanden wir bei den Tikar. Selbst in abgelege­nen Gebirgsdörfern waren hie und da die Wände der Häuser mit Zeichnungen geschmückt, die mit weißem Aschenbrei auf den gelben oder roten Lehmbewurf aufgetragen werden. Als Schmuck des Hauses sind sie wohl kaum ursprünglich gedacht, denn es fehlt ihnen, was der Tikar sonst bei jeder Schmuck-Ornamentik streng einhält, die Symmetrie. Regellos sind die Zeichnungen über die Wand ver­streut 4 , ohne Zweifel sind sie garnicht als Schmuck des Hauses gedacht, aber dem Tikar steht nur die Haus wand als einzige große, glatte Fläche von gewisser Dauer zur Verfügung und sa wird sie Trägerin und Unterlage der als Selbstzweck gefer­tigten Zeichnungen. Daß dazu meist die äußere Hauswand dient, hat seinen

1 Vergl. S. 112.

2 Vergl. 1. Teil Tafel 9 und 10.

3 Vergl. S. 54.

* Vergl. 1. Teil, Tafel 15 Abb. 2.