Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

in ein Tuch, nimmt ihn auf die Hüfte. Sie geht zum Hof des Hundes und sagt: Sieh mein Kind, vor drei Tagen habe ich es geboren, ich habe großen Hunger, ich habe nichts zu essen, gib mir was, sonst sterbe ich, und mein Kind stirbt auch. Der Hund:Gut, du kannst hierbleiben, meine Frau soll dir Mehl geben.

Sie kocht Fufu und sitzt mit ihrem Mann in der Hütte, die der Hund ihr gegeben hat. Der Käfer ißt alles. Die Frau sagt: nicht alles, sonst merkt es der Hund. Der Käfer ißt alles. Am andern Tag sagt die Käferfrau:Gib mir zu essen. Geh mit meiner Frau aufs Feld und hole Kassada. Die Frauen gehen. In der Nacht ißt der Käfer wieder alles. Am andern Morgen gehen die Frauen aufs Feld. Die Frau des Hundes hat gekochte Kassada für ihren Mann ans Feuer gestellt, die Käferfrau bringt ihren Mann, eingewickelt, und legt ihn neben das Feuer. Der Hund geht hinaus. Der Käfer kriecht heraus, ißt alle Kassada, kriecht wieder in sein Tuch. Der Hund will essen, der Topf ist leer.Na, gut, er kocht sich neue Kassada, geht hinaus: der Käfer kriecht heraus, frißt alles. Der Hund wundert sich, tut wieder Kassada in den Topf, geht hinaus, der Käfer frißt alles. Der Hund kommt, findet nichts, sieht sich um, wer die Kassada gestohlen hat. Nur das Kind hegt am Feuer. Der Hund denkt:Was ist das für ein Kind ?schlägt ihm auf den Kopf., ruft der Käfer mit hoher Stimme, der Hund nimmt einen Stock, schlägt ihn stark. Er brüllt:Hu, hu! Der Hund lacht:Jetzt habe ich dich gefaßt, schlägt immer mehr. Plötzlich hört der Käfer auf zu schreien, wird steif, bewegt sich nicht mehr. Der Hund fürchtet sich, er denkt, er hat ihn totgeschlagen. Er dreht ihn hin und her, kitzelt ihn, begießt ihn mit kaltem Wasser, begießt ihn mit heißem Wasser. Der Käfer rührt sich nicht.

Die Käferfrau kommt nach Haus, findet ihren Mann tot. Sie schreit sehr, nimmt ihn auf den Arm, trägt ihn fort. Als sie eine Stunde vom Gehöft weg ist, bewegt sich der Käfer, springt auf die Erde, läuft zurück zum Hund. Er kommt mit großem Geschrei in das Haus:Du hast meinen Bruder getötet, ich bringe es vor Gericht. Der Hund und seine Frau fürchten sich sehr, sie laufen weg in ein andres Land. Der Käfer und seine Frau bleiben auf dem Hof und essen all das viele Essen von den Feldern.

Zählen und Rechnen

Die Tikar haben ein, im Vergleich zu den benachbarten Wüte und Bati, sehr hoch stehendes System des Zählens 1 und in gewissem Maß auch des Rech­nens entwickelt. Das ist um so überraschender, als die Tikar keineswegs ein Handelsvolk sind wie die Haussa oder die Bewohner des westlichen Grashoch­landes. Nach unsern Versuchen vermochten die Tikar nicht nur rascher und leichter zweistellige Zahlen zu addieren und zu subtrahieren als uns begleitende Leute aus dem Bezirk Dschang, vor allem ist ihr Zahlensystem auch viel um­fassender und logischer: es reicht bis zu einer Million hinauf und bewegt sich vollkommen im Dezimalsystem.

1 Vergl. M. P. Thorbeck«. Auf der Savanne. S. 90.

< ThorbecVe. Hochland von Mütel-Karoerun III