Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
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nend für den Wassergott. Wer masue etwas zu sagen hat, geht abends in der kurzen Dämmerung in das Haus und setzt sich in der Nähe des Feuers auf den Boden nieder, in der Stellung, in der er mit dem Häuptling zu sprechen pflegt 1 . Dann sagt er seine Bitte laut, damit Gott sie hört. Wer Hirsebier hat, gießt vorher einen Krug voll auf den Boden als Opfer für Gott, der den Geruch liebt. Wer masue in der Morgendämmerung anrufen will, wählt dazu den Augenblick kurz vor Sonnenaufgang. Er gießt einen großen Krug Hirsebier auf dem Grab eines Verwandten ausdennvielleicht wandelt Gott hier und spricht dabei seine Bitte. Das Gebet am Morgen wird nie ohne die Opferspende gebracht, es ist vorzüglich vor Antritt einer Reise üblich. Andre Opfer als Hirsebier fordert nuiiue nicht; Hirsebier ist das Symbol der reichen Ernte, denn nur aus dem überschüssigen, zur Nahrung nicht gebrauchten Getreide wird Bier gebraut.

Mehrmals im Jahr bringt der Häuptling eine Art von offiziellem Staatsopfer dar. Er begibt sich mit großem Gefolge an das heilige Wasser und gießt drei riesige Töpfe Hirsebier am Ufer, an der Grenze zwischen Land und Wasser, aus und ruft dabei Gott um Schutz und Hilfe und Wohlergehen für sich und den ganzen Stamm an. In Njua und Lomonji besteht die Sitte, daß im Reife­monat der Hirse zweimal Opfer gebracht werden, einmal wenn sie anfängt reif zu werden, zum zweiten Mal, wenn sie geerntet ist. Dies Opfer wird mit Hirse­bier und einem dünnen Hirsemehlbrei dargebracht von den Männern und Kindern der Häuptlingsschwestern.

Im Zusammenhang mit diesem Gottesglauben ist noch eine abergläubisch-phan­tastische Vorstellung der Leute von Ngambe zu erwähnen. Mehrmals täglich taucht aus den Wassern des Kim die Spitze eines Daches auf, des typischen Tikar-Hüttendaches mit der dreimal umwickelten obersten Spitze; ein Huhn läuft schreiend und gackernd im Kreis darum herum, etwa eine halbe Stunde lang, dann taucht die ganze Erscheinung wieder unter. Sie bezeugt, daß der Wassergott im Kim noch lebt. Die Erscheinung hat aufgehört, seit der Häupt­ling Njansi, der Sohn und Erbe des alten Ngambe, gefangen und abgesetzt wurde Trotzdem der jetzige Häuptling Fonga Opfer über Opfer bringt, will sich die Dachspitze nicht mehr zeigen. Ohne es wirklich auszusprechen, deuteten uns unsre Leute an, der Gott zeige sich dem Fonga nicht, weil er, der nur ein entfern­ter Vetter Ngambes war, die Häuptlingswürde aus den Händen der Deutschen annahm, obwohl noch ein Sohn Ngambes im zarten Kindesalter lebte, für den er höchstens die Regentschaft hätte führen dürfen.

Ahnenkult

Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tod und an eine Verbindung der Ver­storbenen mit den heute Lebenden ist der dem Tikar wichtigste und bedeut­samste Teil seiner übersinnlichen Vorstellungswelt; er greift am meisten in sein tägliches Leben ein, und mit ihm hängt ein einflußreiches Priestertum zu­sammen.

1 Vergl. S. 71.

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