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Auch werden von ihnen Bauten für den Häuptling aufgeführt. Wer sich als tschinda besonders auszeichnet, kann zum Edelmann ernannt werden, doch ist diese verliehene Würden icht erblich. Die tschinda tragen dem Häuptling auch Bittgesuche vor.
Außerdem gehören noch zum engern Gefolge des Häuptlings einige halbwüchsige Jungen, gewissermaßen Knappen, die er als Boten benutzt, die ihm ständig seine Ffeife, seinen Stuhl nachtragen und andre rein persönliche Dienste leisten. Der alte Ngambe hatte ihrer 40, Fonga hat nur 10.
Natürlich ist die Zahl der großen und kleinen Gefolgsleute verschieden je nach Macht und Reichtum des Häuptlings. Ein kleiner Unterhäuptling, wie der von Bambu, hat nur einen tschindi und zwei Knappen. Ab und an hält sich auch ein besonders reicher Edelmann einen tschinda doch bedarf es dazu der besondem Genehmigung des Häuptlings.
Krieg : Auch im Krieg ist der Häuptling der Führer seines Volkes. In seiner Rüstkammer, die in einer Hütte seines Gehöfts untergebracht ist, hält er eine große Anzahl von Speeren stets in Ordnung und bereit, ebenso Schilde, Bogen und Pfeile.
Im Kampf mit dem Lamido von Tibati, der die meisten Tikarstämme unterwarf, hat das selbständige Kriegführen der Tikarstämme untereinander und mit ihren Grenznachbarn ganz aufgehört. Später haben auch die deutschen Herren Kampf und Krieg der Stämme nicht mehr gestattet. Wir waren daher über alles, was mit Krieg Zusammenhänge auf Erzählungen älterer Leute angewiesen, meist aus der Landschaft Ngambe. Ngambe 1 blieb weitaus am längsten vom Krieg mit Tibati verschont, der für seine Einwohner erst Anfang der neunziger Jahre begann 2 . Leute, die 1912 über 50 Jahre alt waren, konnten also noch von den Fehden berichten, die sie in den siebziger und achtziger Jahren unter dem alten Häuptling Ngambe mit Tikar- und Wute-Nachbarn ausgefochten hatten.
Während eines längern Aufenthalts in Bambu 3 ließen wir uns bei abendlichen Zusammenkünften um unser Zelt, an denen alle Männer des Dorfes teilnahmen, immer wieder von den Fehden der Tikar erzählen, in denen die drei ältesten in ihrer Jugendzeit gegen den Häuptling Ngambe und später, als Bambu von ihm unterworfen war, als seine Gefolgsleute gegen Mongong und gegen die Wute von Linde mitgekämpft hatten. Die Leute begeisterten sich so an ihren eigenen Erzählungen, daß es für den Dolmetsch unmöglich war, Wort für Wort zu übersetzen. Was er rasch genug übersetzen konnte und auf unsre eingeworfenen Fragen als Antwort erhielt, sei hier zusammengefaßt.
Wenn ein Häuptling sieht, daß ein andrer viele starke Männer und Weiber mit vielen Kindern und reichen Äckern hat, dann denkt er: meiner Männer sind doch noch mehr, und sie sind noch stärker, ich will den andern Häuptling bekämpfen und unterwerfen, so muß er mir mit allen seinen Leuten dienstbar werden. Das sagt
' Wir gebrauchen hier den Namen des ersten Häuptlings für die von ihm begründete
Häuptlingsschaft, da im Gegensatz zum Eingeborenen-Namen „Nsoflo“ für die Stadt
Ngambe ein solcher für die Landschaft nicht bekannt ist. a Vergl. 2. Teil, S. 17.
3 Vergl. 1. Teil, S. 53.