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noch verhältnismäßig wenig verfolgt worden sind, deshalb im Kandekogebiet und auch in den Sumpfgegenden des südlichen Ssangazipfels geradezu in Scharen auftreten, drittens in dem Vorkommen der Ölpalme, die in reicheren Vorräten wohl auf der französischen Seite des Likuala-Mossaka zu finden ist, aber auch auf der deutschen Seite heimisch ist. Was jedenfalls Direktor Trechot in Ahne an Kautschuk und Elfenbein als das Ergebnis eines Monats — beides zum sehr großen Teil aus dem deutschen Kandekogebiet — in seinem Dampfer verstaute, repräsentierte einen sehr bedeutenden Wert; und dazu kamen im südlichen Teil noch die in der Faktorei Loboko zum Teil auch aus deutschem Gebiet gesammelten Fässer mit Palmöl; einen nicht unbedeutenden, wenn auch nur lokalen Wert hatte auch der aus diesem ganzen Gebiete zusammenge- | brachte Maniok, der nach dem an Lebensmitteln stets sehr bedürftigen Brazzaville verfrachtet wurde | und dort reißenden Absatz finden soll. Der Boden I des Ssangazipfels eignet sich, wie die Versuche in Ntoku, Aime und Mobanga zeigen, überall zur Anlage von Kautschukplantagen, er trägt in reichstem Maße alle möglichen Sorten von Früchten, und die Versuche mit Reis, zu denen die Beschafifenheit des Landes ja direkt hindrängt, haben schon zu Erfolgen geführt. Und einen gewissen Wert bedeutet ferner die friedfertige, wenn auch nicht sehr zahlreiche
Bevölkerung. In dem Gebiete vom Kandeko bis zur Wasserscheide zum Ssanga existieren nachweislich mindestens 13 Dörfer, von denen ich acht besucht habe, von den übrigen fünf hat Mr. V i g n e die drei größten selbst gesehen, die beiden übrigen existieren nach den glaubwürdigen Mitteilungen der Eingeborenen; die Dörfer von der Wasserscheide bis zum Ssanga ziehe ich hier nicht in Betracht, weil ich über sie nichts Genaues erfahren habe. Im Gebiet vom Lengue bis zum Ssanga bestehen nac h- weislich zehn Dörfer, die Mr. Petit-Rena u d und Trechot kannten. Im deutschen Ufergebiet des Likuala sind nachweislich sieben Dörfer vorhanden, die Mr. Trechot kannte, im Innern und auf der Ssangaseite gibt es noch mehr, die ich hier auch nicht berücksichtige. Es sind also nachweislich 30 Dörfer im Gebiet des Kandeko, Lengue und Likuala-Mossaka vorhanden; nimmt man eine vorsichtige Schätzung der Gesamtzahl vor, so wird man die Zahl der Dörfer im ganzen westlichen Ssangazipfel auf 50 veranschlagen dürfen mit einer Bewohnerzahl von 5000 Menschen. Das ist freilich nicht viel für ein Gebiet von etwa 10000 qkm, aber es sind doch immerhin Ansätze, die unter geschickter Verwaltung weiter entwickelt werden können. Und schließlich befindet sich eben das ganze Land in einem Zustande wie Deutschland vor 2000 Jahren!
Ethnologisches aus dem südöstlichen Kamerun.
Vorläufiger Bericht von Günter Teßmann, Leiter der wissenschaftlichen Ssanga-Lobaje-Expedition.
Am 16. Juni d. Js. marschierte ich von Kampo j ab und erreichte auf dem Landwege über Akoafim, Missum-Missum, Sembe, Ngoila und von da auf ; dem Wasserwege über Molundu und Ouesso in | zweieinhalb Monaten Nola, das ich mir zum Stütz- i punkt meiner Forschungsreisen im Ssanga-Lobaje- j Gebiet ausersehen habe. Da es bei einem flüchtigen j Durchmarsch natürlich nicht möglich war, die östlich der mir schon bekannten Pangwe wohnenden Stämme genauer zu erforschen, dies auch gar nicht Aufgabe der Expedition war, so mußten sich meine .Studien darauf beschränken, die Stellung der Völkergruppen im Südosten Alt-Kameruns und dem südlich angrenzenden Teile Neu-Kameruns zueinander und zu den übrigen Stämmen Süd-Kameruns festzulegen. Das Wesentlichste meiner Erkundungen sei hier zusammengestellt.
Die östlichen Nachbarn der Pangwe sind die Njem, deren Gebiet sich in nordsüdlicher Richtung von den südlichen Quellflüssen des Njong wie ein nicht sehr breites, etwas gewelltes Band bis an den oberen Iwindo (Aina) erstreckt. Im südlichen Teil ist es vom Gebiet der Pangwe durch eine unbewohnte Urwaldzone geschieden. Die Ndsime (Ndsimu) im nordöstlichen Teil des Njem-Gebietes sind ein offenbar wenig ausgebreiteter Unterstamm, der durch eine Vermischung der Njem mit einem anderen .Stamme in nicht sehr alter Zeit entstanden zu sein scheint. Wie schon seit längerer Zeit bekannt war, sind die Njem nicht etwa mit den Pangwe näher verwandt, sondern mit dem Küstenstamm der Mabea-Ngumba. Allerdings ist diese Verwandtschaft nicht so nahe, daß man beide als einen Stamm bezeichnen könnte, vielmehr sind die.