Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

68

Landeskundlicher Bericht über das Gebiet zwischen Dschuastufe und Ssanga.

Von Dr. Fritz Maywald.

Übersicht.

Von dem der Ssanga-Dschua-Grenzexpedition zur Aufnahme und Vermessung zugewiesenen Ge­biete habe ich sämtliche Teile mit Ausnahme der Dschua-Niederung 1 ) kennen gelernt, und auf den Be­obachtungen während der Expedition beruht die fol­gende landeskundliche Darstellung, die freilich nicht Bearbeitung eines geographisch einheitlichen Ge­bietes genannt werden kann, sondern nur die Dar­stellung eines zum größten Teil willkürlich aus dem geographischen Zusammenhang herausgeschnittenen Landesteiles ist. Gleichwohl soll versucht werden, das Grenzgebiet, das wir ja nur auf der schnur­gerade durchführenden Grenzlinie, nicht kreuz und quer, durchzogen haben, möglichst mit Rücksicht auf seine Zugehörigkeit zu einer geographischen Einheit zu betrachten.

Das Gebiet der Ssanga-Dschua-Grenzexpedition nördlich und südlich von der geraden, idealen und durch den Dschua bis Mvahdi fortgesetzten Grenz­linie ist kein einheitliches. Es ist in zwei nahezu gleiche Teile zu gliedern.

Der westliche Teil

den Dschua-Iwindo zum Ogouesystem, also dem Küstengebiet, während der östliche durch seine großen nach Osten, Süd­osten und Süden abfließenden Ströme zu der gewaltigen, innerafrikanischen Mulde des Kongo­beckens gehört, in deren tiefster Stelle der Kongo alles Wasser aus einem Gebiet von über 314 Millio­nen qkm sammelt. Die Wasserscheide zwischen den zum Ogoue gehörigen Flüssen und den Flüssen des Kongosystems ist gerade an dem Schnittpunkte mit der neuen deutsch-französischen Grenze und nördlich und südlich von ihm außerordentlich scharf ausgesprochen. Hier, an dem eben bezeichneten Punkte, führten die französischen Karten den Namen Noeud de Bellevue. Und mit Recht! Es ist auf der ganzen Strecke von Ouesso bis dahin der einzige Punkt, von dem aus eine Fernsicht sich bietet, nach so viel Tagen durch dichtesten Urwald begrenzten 'Horizontes war es der erste Tag, an dem das Auge einmal gründlich in die Ferne schweifen konnte. Hier zieht sich nämlich ein fast genau meridional verlaufender Steilrand hin, zu dessen Füßen sich nach Westen zu die Talniederung und das weite Sumpfgebiet des Dschua ausbreitet. Der Höhen­

unterschied zwischen dem Steilrand und der Dschua- Niederung beträgt 100 bis 200 m.

Im folgenden soll dieser Steilrand, der noch keinen einheitlichen Namen trägt, die Dschuastufe genannt werden. 1

Das ganze Gebiet von der Dschuastufe, die sich weithin nach Norden und Süden verfolgen läßt, aber im Zusammenhänge bisher noch nicht geographisch und geologisch erforscht worden ist, nachdem Innern zu, also nach dem Kongobecken, ist em Hochland von 350 bis 750 m Höhe, das zum Dschua- Iwindo schroff und scharf wie mit dem Messer ab­geschnitten, ähnlich dem Steilrande des Erzgebirges nach Böhmen, abfällt, während es sich allmählich zum Ssanga und seinen Nebenflüssen, also nach Nordosten zum Dscha, nach Osten zum Ssanga, nach Südosten zum Leugne, Mambili und Likuala Mossaka senkt. Man würde also von Westen nach Osten oder von Süd westen nach Nordosten bzw. von Nordwesten nach Südosten im allgemeinen fol­genden Durchschnitt erhalten:

über den geologischen Aufbau des Gebietes und die tektonischen Vorgänge, die es verändert haben, ist es schwer einen Überblick zu gewinnen'; denn infolge der tiefen Verwitterungsschicht und des alles verhüllenden Urwaldes wurde nicht allzu­oft anstehendes Gestein getroffen, und die mitge­brachten Gesteinsproben sind daher spärlich genug.

Auf Grund der gemachten Funde und der Lage­rungsverhältnisse wird man sich folgendes Bild von dem Aufbau des Landes machen können. 1 ) Den Sockel des ganzen Gebietes bildet ein sehr altes, granitisches Grundgebirge, das im Laufe der Zeit der Zerstörung durch die Erosion und Denudation zum Opfer fiel. Die Zerstörungsprodukte dieses alten Gebirges lagerten sich auf seiner Oberfläche ab und bildeten weite Sedimentdecken. Wir finden sie heute vor uns in den Quarziten und den Sand­steinen von weißer, rötlicher und roter Färbung, die man vom Steilrand der Dschuastufe bis in die Ge­gend von Ouesso überall antrifft. Ihr Alter läßt sich mangels in ihnen gefundener Versteinerungen noch nicht bestimmen. Ihre Mächtigkeit ist sehr ver-

gehört durch ^ /n f vu ^

90

c.tvw

0 Hierüber siehe den Abschnitt ,.Das Dschua-Becken oberhalb MadjingoV Von Hauptmann K. v. Elpons.

Vgl. den Bericht des Majors Periquet in den Ren­seignements coloniaux 1913. Xr. 5.