Säugethier e.
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willig vor einem nahenden Menschen zurückwichen und stets von Neuem zu ihrem Frass zurückkehrten, auch wenn man sich dicht dabei, fast ohne Deckung, auf den Anstand legte. In Tabora kamen sie bis dicht unter die Veranda des Hauses, obgleich die Expeditionsmitglieder z. Th. dort schliefen; Hessen sich aber durch die Angriffe einer kleinen, einheimischen Hündin, die sehr scharf war, leicht vertreiben. Ebenso schleppten sie am Ugalla-Eluss Gegenstände z. B. ein Netz mit Fischköder, unmittelbar vor der Zeltthür fort und Hessen sich selbst durch Schüsse nicht im Fressen stören.« Dagegen hatte Böhm z. B. bei Kakoma, selbst gut versteckt, stets vergebens auf dem mit dem Kadaver eines Rindes oder Esels bestellten Luderplatze gewacht. Die Hyänen mussten sich lautlos in der Nähe halten, denn wenn Böhm sich nur auf Viertelstunden entfernte, waren sie sofort beim Frasse gewesen. Doch drang auch hier einmal eine Hyäne Nachts in das Gehöft und schleppte ein Wildfell und ein Gehörn in den nahen Wald.
Die Schnelligkeit, mit der die Hyänen aufräumen, ist staunenerregend und sie zerren selbst Kadaver von Rindern weit umher. Eine menschliche Leiche sah Böhm sie scheinbar ohne Anstrengung im Galopp fortschleifen. Die frisch dunkelgrüne, später kalkweisse Losung setzen die Hyänen massenweise an bestimmten Plätzen ab. Bei ihren nächtlichen Streifereien halten sie ihre Steige und Pfade inne, auf denen sie oft weite Strecken hin wechseln. Gewöhnlich kommen sie erst in der Dunkelheit in die Nähe der Ortschaften; doch hört man ihr hässliches Geheul zuweilen schon vor Sonnenuntergang, im nahen Walde auch noch früher. In Tabora sah Böhm einen Jungen, den eine Hyäne im Schlafe gepackt und fortgeschleppt, indess auf sein Geschrei fallen gelassen hatte. Er trug tiefe Wunden im Gesicht davon.
Bei Mpwapwa hörte Böhmer das Geheul der Hyäne (u-ui) allnächtlich; sie begnügt sich mit Aas, hat aber auch schon Menschen und Esel dort getödtet. Sie macht sich meist Nachts bemerklich, ist aber auch schon am Tage geschossen worden.
Sie graben sich nach von Höhnel in weichem, tuffartigen Gestein oberirdische Baue mit seitlichen Oeffnungen, welche als Auslug dienen.
Die PTechheit der Hyänen ist in Ugogo nach Herrmann erstaunlich; ist es doch oft vorgekommen, dass Hyänen sich Nachts mitten in ein von Feuern umgebenes Karawanenlager schlichen, um Esel anzufallen; eine Dornhecke oder mannshoher Zaun schützt das Vieh noch lange nicht.
Pis ist vielfach behauptet worden, dass in Ost-Afrika zwei verschiedene Hyänen-Arten leben. Willougby fuhrt für den Kilima-Ndjaro sowohl die gefleckte, als auch die gestreifte Hyäne an. Bis jetzt fehlt der zuverlässige Nachweis zweier P'ormen. Wenn ausser der Zibethhyäne p. 62 noch ein Raubthier mit Ouerstreifen über den Körper im Schutzgebiete lebt, so ist dieses eine noch unbeschriebene, für die Wissenschaft neue Art. Was Emin als gestreifte Hyäne erwähnt, ist die Zibethhyäne. Pis erscheint nicht unmöglich, dass vielleicht in der Küstenregion die von Süd-Afrika bekannte braune Hyäne, Hyaena brunnea, der Strandwolf, aufgefunden wird. Sie ist fast einfarbig dunkelbraun, mit gefleckten Beinen und hat eine sehr lange, zu beiden Seiten herabhängende Riicken- mähne.
Familie: PROTELEIDAE. Zibethhyänen.
Vorn fünf Zehen, welche sämmtlich Krallen tragen, die nicht zurückgezogen werden können; die fünfte sitzt weit von den übrigen vier entfernt. Hinterbeine mit vier Zehen. Die Gestalt erinnert an diejenige der Hyänen; wie diese haben sie einen nach hinten abschüssigen Rücken. Nur eine Art ist bekannt, welche von Südafrika bis zum Somalilande verbreitet ist und oft mit der gestreiften Hyäne verwechselt wird.