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Man begegnet in Europa immer wieder Leuten, die behaupten: „Die Schwarzen sind für christliche Moral und Ideen wenig empfänglich; die Mission ist eine wenig erfolgreiche und aussichtsreiche Arbeit." Ich habe in den zwanzig Jahren, in denen ich in der Missionsarbeit stand und in denen ich unter dem Volke gelebt habe, andere Erfahrungen gemacht. Es ist nicht so, daß die, welche das Heidentum verlassen und dem Christentum sich zugewandt, nun vollkommene Heilige werden, aber sie sind neue Menschen.
rJ Julia Sedode in Keta.
Das Awedvme, das Missionshaus, in dem meine Schwester und ich die ersten fünf Monate unseres Aufenthaltes in Afrika wohnten, war von einem großen Hosraum umgeben. In einer Ecke dieses Hofes steht ein kleines Häuschen, das dem Lehrer Christian Sedode und seiner Frau Julia damals als Wohnhaus diente. Wir treten durch die offene Tür. Es lohnt sich nicht, sie zu schließen, denn es wird hier nicht leer von solchen, die Rat und Hilfe suchen. Wir treten ein, durchschreiten das Haus und befinden uns auf der anderen Seite in einer offenen Veranda. Dort in der Ecke ist sie durch luftige Jalousien ein wenig von dem Hose abgeschlossen. Da ist der stille Winkel, wo der schon seit Jahren leidende Christian Sedode mit Daechsels Bibelwerk oder anderen gleichartigen deutschen Büchern beschäftigt, mitten in dem Arbeitsgetriebe um ihn her in aller Beschaulichkeit sitzt. Es ist zugleich das Empfangszimmer für die Fremden. Kaum sind wir erschienen, so eilen schon flinke, braune Mädchenfüße, und bald stehen europäische Stühle für uns bereit. Wir unterhalten uns mit dem Hausherrn ganz fließend in Deutsch, das er fast vollständig beherrscht, da er einige Jahre die Schule in Deutschland besucht hat.
Von der Veranda aus überschauen wir den ganzen Hof. Da geht es zu wie in einem Ameisenhaufen, alles ist in emsiger Arbeit. Mitten im Hofe steht Julia, im Begriff, mit geschickter Hand einem blendend weißen Herrenrock die letzten glättenden Striche mit dem Plütteisen zu geben. Neben ihr steht die jung verheiratete Lehrersfrau, die waschen und plätten bei Julia lernt. Jetzt ist ihr Werk vollendet. In majestätischer Haltung schreitet sie auf uns zu und setzt sich zu uns. Wenn wir auch noch nicht viel von der Ewesprache verstehen, Christian ist Dolmetscher, da geht die Unterhaltung ganz flott. Jetzt kommt eine ganze Schar größerer und kleinerer Mädchen und Knaben auf Julias Geheiß herbeigesprungen, um uns die Hand zum