Krankenstube. Am Christabend fand in dem Betsaal, der in den unteren Räumen des Missionshauses war, eine Weihnachtsfeier für Kinder und Erwachsene statt. Mein Zimmer lag gerade über diesem Raume, und ich konnte das Harmoniumspiel und den Gesang der Weihnnchtslieder ganz deutlich hören. Ich wußte, daß jetzt alle im Hause unten seien zur Feier, und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, einen Augenblick an das Fenster zu treten, nur in die milde Tropennacht hinaus- zuschauen. Der Eindruck bleibt mir unvergeßlich. Gerade so hell mußten die Sterne in der heiligen Nacht über Bethlehem geleuchtet haben, gerade so standen vielleicht auch in Bethlehems Gefilden die Palmen in friedlicher Ruhe da, gerade so war vielleicht auch bei Bethlehem in jener wunderbaren Nacht die ganze Natur anzuschauen, als warte sie, still lauschend, daß sich der Himmel über ihr anftne. „Stille Nacht, heilige Nacht" sang jetzt die feiernde Gemeinde, ich stimmte leise mit ein und feierte ganz allein ein schönes Weihnachtsfest.
Ein wunderbarer Christbaum wurde zu Neujahr für die Kinder geschmückt. Es war eine Palmenblüte, die sich wunderlieblich im Lichterschmuck ausnahm. Sie war in Gestalt und Größe einer ganz kleinen Tanne ähnlich.
b) Weihnachten in Amedzowe.
Im zweiten Jahre meines ersten afrikanischen Aufenthalts wurde ich, wie oben erzählt, zur Erholung auf die Berge geschickt und zwar zu meinem großen Kummer gerade wenige Wochen vor Weihnachten.
Das zweite Weihnachtsfest erlebte ich also in Amedzowe. Einem afrikanischen Lnubbaum wurde die Ehre zuteil, mit dem weihnachtlichen Schmuck behängen zu werden, und er zeigte sich im Lichterglanz durch sein stattliches Aussehen dieser Ehre würdig, als am Abend die Hausgenossen sich um ihn sammelten. Wir sangen zusammen ein Weihnachtslied, und dann sagte Missionar Seeger den schwarzen Mädchen und Knaben, die in seinem Hause erzogen wurden, einige Worte über die Bedeutung des Weihnachtssestes, worauf sie glückstrahlend ihre Geschenke empfingen. Dann kamen sie mit der Bitte, den Lehrer Paulo Tumitse, welcher mit den Schulkindern aus den Gemi gehen und mit ihnen dort oben Weihnachtslieder singen wollte, begleiten zu dürfen. Sie durften gehen und erhielten rote und grüne bengalische Lichter mit auf den Weg, die sollten sie anzünden, wenn sie oben wären. Wir saßen noch eine Weile