Druckschrift 
Zwanzig Jahre Missions-Diakonissenarbeit im Ewelande / von Hedwig Rohns
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

Wachstum nicht irre machen. Jedes Jahr erstand sie, wie ein Phönix aus der Asche, in neuer Schöne. Sie behauptete, un­entwegt durch alle ihr entgegengesetzten Schwierigkeiten, ihren Platz, allerdings zum Schaden des Limonenbaumes, der später einging. Und heute ist sie gewiß das schönste Exemplar einer Fächerpalme, das man weit und breit sehen kann, ein hervor­ragender Schmuck des Diakonissenhausgartens. Mächtig erhebt sich die prächtige Palmenkrone aus einem üppigen Blättergebüsch, das den wenig schönen Stamm verdeckt und bis zur Erde hinab- reicht. Diese Fücherpnlme ist mir immer ein Bild unserer Arbeit gewesen. Daß der Tvd sv vft' an sie herantrat, hat ihr zu reicherem Leben verholfen.

6. Ein Leben für den Herrn.

Bis zum Jahre 1911 sind vierundzwanzig Diakonissen in die Missionsarbeit in Westafrika ausgesandt, und zwar auf die Stationen Keta, Ho und Lome. Von diesen stehen fünf augen­blicklich draußen in der Arbeit, zwei in Keta, zwei in Lome, eine in Ho, vier weilen in Europa, acht sind in der Heimat wieder in andere Arbeiten eingetreten, vier haben sich verheiratet und drei sind durch den Tod abgerufen. Nur eine von diesen dreien, Schwester Lottchen Rohns, ist in den heißen Sand Afrikas gebettet und auf dem Kirchhof in Keta begraben.

Lottchen war eine rechte Diakonisse, eine Diakonisse von der Fußsohle bis zum Scheitel. Kurz nach ihrem Eintritt in das Diakonissenhans Bethlehem in Hamburg sagte sie mir einmal:Wenn ich früh erwache, möchte ich laut aufjauchzen

vor Freude, daß ich in diesem lieben Hanse sein und diese liebe Arbeit tun darf." Sie war früher Lehrerin gewesen und wurde daraufhin einmal gefragt, ob die mancherlei ungewohnte Arbeit ihr nicht zu schwer werde.Nein," antwortete sie glück­strahlend,ich tue sie ja für den Herrn!" Wie aus dieser Antwort ihre Demut erhellt, so ist ganz besonders ihre Treue hervorzuheben, ihre Treue im kleinen. Es war rührend, wie sie die großen und kleinen Nöte ihrer Pfleglinge in der Ge­meinde in Hamburg mittrug und miterlebte. Abends konnte sie immer erst spät zur Ruhe kommen, weit sie noch so vielerlei für ihre Leute zu tun hatte. Dieses alte Mütterchen mußte notwendigerweise noch einen Spruch zu ihrem Geburtstag ge­stickt haben und jenes ein Lesezeichen. Ihre Liebe konnte sich