Druckschrift 
Zwanzig Jahre Missions-Diakonissenarbeit im Ewelande / von Hedwig Rohns
Entstehung
Seite
199
Einzelbild herunterladen
 

199

<I) Sein oder Nichtsein.

Eine noch schwerere Krisis machte die Diakouissenarbeit in Kein im Jahre 1899 durch. Damals wurde von feiten Bethlehems eine gänzliche Aufgabe der Arbeit ernstlich er­wogen. Mit Sehnsucht erwarteten wir draußen in Afrika Schwester Anna Reineckens Rückkehr aus Europa, war sie doch eine ganz besonders befähigte Arbeiterin. Aber immer neue Hindernisse traten ihrer Reise entgegen. Zweimal gingen wir umsonst an den Strand, um sie von: Dampfer abzuholen. Zu­letzt hielt sie noch eine schwere Erkrankung ihrer Mutter in der Heimat zurück, und als letztere kaum genesen, erkrankte sie selbst. Endlich, am 31. März 1899, kam die Langerwartete in Keta an. Auch in ihr war der Wunsch, in ihre geliebte Arbeit zurück­zukehren, so groß gewesen, daß sie, nur ungenügend von einer schlimmen Influenza genesen, die Seereise antrat. Und das wurde ihr Tod. Wir sehr wir uns auch auf ihre Mitarbeit gefreut hatten, wir sahen bald, daß wir darauf verzichten mußten. Ein beständiger Husten quälte sie und legte sie schon nach zwei Monaten auf das Krankenlager, von dem sie nicht wieder auf­stehen sollte. Das waren ernste Sorgenzeiten für uns Schwestern. Die eigene Not der nnausreichenden Hilfe in der Arbeit trat bald ganz hinter der Sorge um die Kranke zurück. Wir konnten bei Schwester Annas zartem Körper die Ueberzeugung nicht mehr von uns weisen, daß für sie eine Rückkehr nach Europa geboten sei. Von Tag zu Tag warteten wir, daß das Fieber weichen möge, aber es war immer dasselbe. Die lange An- dauer des Fiebers und die große Schwäche der Patientin waren für uns das am meisten Sorgenerregende. So verlebten wir vier traurige Wochen. Der englische Arzt forderte mit aller Entschiedenheit Schwester Annas Heimreise mit dem nächsten Dampfer. Diese wurde auf den 7. Juli festgesetzt. Wir wagten es aber nicht, der Kranken diese trübe Tatsache mitzuteilen. Heim­lich waren ihre Koffer nach draußen gestellt, und heimlich wurden sie gepackt. Da, eines Morgens, als wir beiden Schwestern am Kaffeetisch saßen, und eins unserer Mädchen für kurze Zeit den Dienst in: Krankenzimmer tat, wurde ich eilig aus Krankenbett gerufen.Wo ist mein Kabinenkoffer?" sagte Anna ganz auf­geregt.Muß ich nach Hause reisen?" Es war nun keine Möglichkeit mehr, ihr die traurige Wahrheit vorzuenthalten. Sie ' mußte von unseren Plänen erfahren. So schonend wie möglich teilte ich ihr alles mit, und es war bewnndernswert, wie sie sich darin fand. Das war ein trauriger Abschied. In der