73
der neuen Kirche im Jahre 1900 hörte die Sonntagsschule wieder auf, denn in den größeren Räumen konnte die Störung vermieden werden.
^ 4. Die Mädchenschule.
Je länger wir im Heidenlande waren, um so mehr Gelegenheit hatten wir, zu beobachten, wie tief die heidnische Frau gesunken ist, und wie dieser geistige und sittliche Tiefstand sich auch bei den Mädchen und Kindern bemerkbar macht. Immer wieder hatten wir neue Beweise dafür, daß die im Heidentum aufwachsenden Kinder von ihren ersten Lebensjahren an mit den verdorbensten und finstersten Gedanken angefüllt sind. Wir mußten immer mehr erkennen, wie sehr diejenigen im Unrecht sind, welche von der Unschuld der Heiden reden. Das Heiden, tnm hält den Menschen ganz und gar in der Sünde gefangen- Wie furchtbar die Macht der Gewohnheit ist, wissen wir alle. Ich brauche also nicht zu beweisen, daß es schlimm, ja sehr schlimm ist, wenn so ein kleines Heidenmüdchen allen Sünden in seiner Phantasie, in seinen Gedanken, Worten und Handlungen von frühester Jugend an freien Spielraum läßt. Die Sünde muß eine furchtbare Macht in solchen: Kinde werden. Es läßt sich nicht sagen, wie furchtbar sie wirklich ist. Diese verkümmerten Blümlein bedurften ohne Frage einer besonders liebevollen Pflege. Dem schwächsten Kinde gibt die Mutter die meiste Liebe und Sorgfalt, und nur dem warmen Sonnenstrahl erschließt sich die Knospe. Darum war in uns der Wunsch so lebendig, diese Kleinen und Kleinsten zu Jesus zu bringen und ihnen ihr gutes Recht, die Liebe des Heilandes, nicht länger vorzuenthalten. Wenn das Licht der Liebe Jesu in diese kleinen finsteren Herzen schien, dann mußte es anders mit ihnen werden Wir konnten in unserer Arbeit, in den Hausandachten, der Kleinkinderschule und der Erziehung im Hause manches dazu tun. Aber wieviel mehr Kindern konnten nur dienen, wenn wir eine Schule einrichteten!
Schon bei der Anssendung der ersten Schwestern war eine Schule in Aussicht genommen. Es war aber unmöglich, zur Ausführung dieses Planes zn schreiten, ehe wir ein wenig von der Ewesprache gelernt, denn in dieser mußte die Schule geführt werden. Man hatte bis dahin noch keinen Versuch gemacht, die Mädchen in besonderen Schulen zu sammeln, sondern aus allen Stationen waren gemischte Schulen. Auch in Keta besuchten die Mädchen die Elementar-Knabenschule. Die gemachten Er-