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Elefant gezähmt werden kann, nimmt man als sicher an. Die Bejahung des zweiten Teiles der Frage jedoch macht eine Einschränkung erforderlich. Im unbebauten Terrain, in dem es keine Pfade gibt, kann der Elefant gewiß mit großem Nutzen verwandt werden. In Gegenden jedoch, in denen man andere Zugtiere, wie Rinder und Esel, zur Verfügung hat, ist seine Verwendung nur in eingeschränktem Maße möglich, wenn nicht entbehrlich. Dies ist die Ansicht Brehms, und Wohltmann schließt sich ihr vollständig an. Einen besonderen Kulturwert für die Landwirtschaft hat nach der Meinung des letztgenannten Autors der Elefant nicht. 290 ) Ernstliche Versuche, dieses Tier zu zähmen, sind in Ostafrika unbedingt angebracht. Es gibt im Schutzgebiet manche Gegend, die zu diesem Unternehmen geeignet wäre, so nach Stuhlmann 291 ) die Umgegend von Irangi. Hier halten sich häufig weibliche Tiere auf und die Elefantenjäger erzählten dem Reisenden, daß sie schon öfters junge Elefanten gefangen hätten. Ebenso sind, wieder nach Stuhlmanns Ansicht, die Gebirge von West-Mpororo ein günstiges Terrain für die Versuche. Sollten sie von Erfolg gekrönt sein, — und das ist so gut wie sicher —, 292 ) so wäre gewiß ein bedeutsames Werk getan, und der Elefant könnte auf Expeditionen und bei Feldzügen manchen wichtigen Dienst leisten.
2. Das Flußpferd.
Als Ersatz für das eigentliche Elfenbein kommen häufig die Zähne des Flußpferdes in den Handel. 29S ) Im Unterkiefer dieses Tieres sitzen als Eckzähne halbkreisförmige Hauer, welche im Durchschnitt 50 cm lang und bis 4 kg schwer werden. Die Eckzähne des Oberkiefers sind weniger gekrümmt, sie sind auch kürzer und schwächer und erreichen selten eine Länge von über 30 cm und ein Gewicht von 1 kg. Sowohl die Eckzähne des Unterkiefers wie auch jene des Oberkiefers dienen zu vielen feinen Drechslerarbeiten. Die Zähne des Flußpferdes übertreffen das Elfenbein an Härte, sind jedoch weißer als dieses.
29 °) Wohltmann, Handbuch der tropischen Agrikultur, Bd. I, S. 433/34.
291 i Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika, Anmerk, auf S. 805.
292 ) Inzwischen ist es Oberleutnant Fonck (Moschi) tatsächlich gelungen, einen jungen afrikanischen Elefanten zu zähmen. Das junge Tier wird mit Kuhmilch und Haferbrei genährt und gedeiht recht gut. Es folgt seinem Wärter wie ein Hund (Globus, 84. Band, S. 212).
293) Vgl. Brehms Tierleben, Säugetiere, Bd. III, S. 537—551. Einige der folgenden Angaben sind dem mir von der Firma Heinr. Ad. Meyer in Hamburg zur Verfügung gestellten Materiale entnommen.
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