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Haustiere, Jagd und Fischerei von Deutsch-Ostafrika in ihrer wirtschaftsgeographischen Bedeutung / vorgelegt von Arthur Heß
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Bei gleich günstiger Weiterentwickelung der Zucht dieses Haustieres kann in Zukunft der Export der Schweine nach San­sibar und Südafrika ein wichtiger Wirtschaftsfaktor von Deutsch- Ostafrika werden.

6. Das Pferd.

Von einer Pferdezucht im Schutzgebiet kann man nicht reden. Im ganzen befinden sich 58 Stück im Lande. Die Meinungen sind noch geteilt, ob sich Pferde überhaupt in Ostafrika zu halten vermögen oder nicht. Jedenfalls scheint das heiße Klima im allgemeinen nicht für sie zuträglich zu sein, da es die Fort­pflanzungsfähigkeit ungünstig beeinflußt. m )

Nach Peters 192 ) können Pferde sehr wohl ln Deutsch- Ostafrika fortkommen. Als Beweis dafür gibt er an, daß er selbst 2 Jahre auf einem Pferde durch Sümpfe, Steppen und Berge gereist ist, und daß dabei alle Strapazen dieser langen Reise durchaus gut überstanden wurden. Nach seiner Meinung sterben die Tiere auf Expeditionen nur deshalb, weil sie schlecht und unregel­mäßig gefüttert und überhaupt wenig sorgsam gepflegt werden. 193 ) G erade die entgegengesetzte Ansicht vertritt W i ß m a n n. 191 ) Ihm zufolge wird man in unserem Schutzgebiete, mit dem Bestreben, Pferdezucht heimisch zu machen, deshalb keinen Erfolg erzielen können, weil die Tiere sehr unter dem Klima leiden müssen, besonders unter demjenigen der feuchten Gebiete und vor allem, weil die Tsetsefliege und andere Insekten arge Feinde der Pferde sind. Dazu kommt, so lautet Wißmanns Ansicht weiter, daß in den Landschaften unserer Kolonie, in denen das Klima besser ist, eine verheerende Seuche herrscht, die sogenannte Pferdesterbe. Diese beiden Ansichten stehen sich scharf gegenüber, und es ist zur Zeit unmöglich, den Streit zu entscheiden. Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte, denn an der Küste scheinen Pferde nach den bisherigen Erfahrungen bei sorgsamer Pflege leben zu können, und es ist ganz gut denkbar, daß sie ebenso in manchen Landschaften des Innern und des Nordens, z. B. im Kilima-Ndscharo-Gebiet, fortkommen. Volle Klarheit kann erst die Zukunft bringen, doch ist schon jetzt sicher, daß das Pferd als

191 ) Wohltmann, Handbuch der tropischen Agrikultur, Bd. I, S. 431.

192 ) Peters, Das Deutsch-Ostafrikanische Schutzgebiet, S. 43.

193 ) Ebenda, S. 394.

194) Wißmann, In den Wildnissen Afrikas und Asiens, S. 137.