Druckschrift 
Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
Entstehung
Seite
336
Einzelbild herunterladen
 

336

Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.

licher oder verkehrswirtschaftlicher Natur, auf den nicht die latinoameri- kanische Krippenpolitik ihren verderblichen Einfluß äußerte. Schon im Jahre 1883 hat Zoller darüber geklagt, die Küstenschiffahrt seidem Einfluß der Mächtigen unterworfen. Daran hat sich nichts geändert, und der Lloyd wird deshalb einegroße Versorgungsanstalt für politische Günstlinge, für Verwandte und Freunde politischer Influenzen genannt. Solange diese Linie das tatsächliche Monopol 1 ) der Küstenschiffahrt behält, kann der Küsten­verkehr nicht vervollkommnet werden. Der Küstenverkehr stellt aber heute noch die einzige verwendbare Verbindung des R'esenreiches Brasilien dar und damit darf man in dieser Dampfergesellschaft d-s Lloyd Brazileiro das nach­drücklichste Hindernis einer intensiven Entwicklung der Verkehrs Wirtschaft von ganz Brasilien erblicken.

Ozeanverkehr.

Der Handel Südamerikas ist bedingt durch den Verkehrspol aller Welt­wirtschaft im Ärmelkanal. Nach dem gegenüberliegenden Afrika findet seit der Sklavenbefreiung fast kein Verkehr statt, obwohl sich z. B. eine Holz-, Butter- und Schmalzausfuhr der Kolonie Blumenau nach Deutsch-Südwest­afrika mittels Segler lohnen müßte, zumal dn für Segler durch Ozeanströmun­gen und herrschende Windrichtungen vorgezeichneten Fahrbahnen diese Ver­bindung begünstigen.

Von allen Ländern Südamerikas ist es heute, bevor die Öffnung des Panamakanals die alten Kulturlande des südamerikanischen Nordwestens, Co­lumbien, Equador und Peru, der alten Welt wieder näher bringt, das Riesen­reich Brasilien, das mit dem Kap Roca weitausladend Europa breite Handels­fronten entgegenstellt. Zahlreiche Dampferlinien verbinden deshalb das Riesenreich mit den modernen Staaten der alten Welt: die Hamburg-Amerika- Linie, die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft, der Nord­deutsche Lloyd, ferner die Royal Mail-Pacific Steam-Navigation Comp., Trans­ports maritimes, Messageries maritimes, La Veloce, Societa di Navigazione a Vapore, Lloyd Italiano und verschiedene unwichtige Linien. S. Francisco wird aber von diesen fremden Linien heute noch nicht angelaufen.

Die deutschen Dampfer Zeichner sich durch große Ordnung, Reinlich­keit und mäßige Fahrpreise aus. Für die Seetüchtigkeit des deutschen Mate­rials sprechen auch die Zahlen der erlittenen Flottenverluste: von dem ge­samten Tonnengehalt verloren bisher England mit seinen Kolonien 1,4 °/ 0 , Deutschland 1,4, Rußland 1,6, Frankreich 1,6, die Vereinigten Staaten 1,9, Dänemark 2,1, Italien 2,6, Spanien 3,1, Schweden 3,5, Norwegen 3,9 (bei den beiden letzten Zahlen spricht das Vorwiegen älterer und kleinerer Segelschiffe

x ) Die übrigen Linien, wie die Companhia Commercio Navegagäo und mehrere kleine Linien, dienen vorwiegend lokalen Aufgaben.