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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Leitspruch: Was die Bewegung der Völker erleichtert, beschleunigt auch den Gang der Geschichte.

(Fr. Ratzel.)

Verkehrsverhältnisse.

Die allgemeinen wirtschaftlichen Gesetze über den Verkehr sind aus dem Boden des europäischen Festlandes herausgewachsen und haben sich gemeinsam mit der geschichtlichen Entwicklung europäischer Völker heraus­gebildet. In der Volkswirtschaft und ihrer Lehre bedingt organisch ein Glied das andere: das kleinste ist gleichwichtig mit dem großen. Sobald es sich deshalb um Gebiete mit anderen natürlichen Vorbedingungen und um Län­der mit anderer Geschichte handelt, wo bald dieses bald jenes Glied der wirt­schaftlichen Entwicklung fehlt, wofür dann andere Momente zur Geltung ge­langen, wird ein europäisches Verkehrsgesetzsystem auf diese nicht durchweg passen. Auf der anderen Seite müssen dann aber Gesetze, die auch in ver­schiedenen Verhältnissen gelten, durch diese Gemeinsamkeit eine erhöhte Be­deutung gewinnen. Es erscheint deshalb von Wert, die in Europa erkannten Gestaltungstendenzen für den Verkehr auch auf ihr Anpassungsvermögen z. B. in deutschen Kolonien zu untersuchen. Da es hierbei zunächst weniger dar­auf ankommen kann, den Unterschieden der verschiedenen wissenschaftlichen Systematisierungen nachzugehen, schließe ich der Einfachheit wegen die nach­folgenden Erörterungen im wesentlichen den Ausführungen von E. S ax an (E. Sax, Die Verkehrsmittel in Volks- und Staatswirtschaft; E. Sax, Transport- und Kom­munikationswesen, im Handbuch der politischen Ökonomie von G. Schönberg).

Ich hoffte zunächst namentlich an der Hand der Maispreise, die als allgemeines und leicht verderbliches Erzeugnis der in Südbrasilien vorwie­genden Landwirtschaft ein sicheres Spiegelbild des Einflusses der Verkehrs­mittel auf Produktion und Konsumtion abgeben müssen, positive Zahlen­grundlagen für die Verkehrsverhältnisse Südbrasiliens und im Vergleich dazu für die wichtigsten Handelsplätze der Nachbarschaft zu erhalten, ähn­lich wie dies Engelbrecht 1 ) so erfolgreich mit den Getreidepreisen in den Vereinigten Staaten durchgeführt hat. Außerdem hätten hierbei auch die Schmalzpreise beigezogen werden können, die durch die Preise des auch zu Viehfutter dienenden Maises beeinflußt sind, also mittelbar auch auf die letzteren zurückgehen. Maximum und Minimum der Preise sowie die Ent-

*) Engelbrecht, Getreidepreise, I. Nordamerika.