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Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.
mag — s. Francisco auch noch einmal ein Ausgang der Blumenauer Bahn werden wird, vermutlich beide Wettbewerber in einem Kartell vereinigen.
Wir sehen, wie hier der Privatwirtschaft infolge des Unvermögens staatlicher Organe, die vielfach nur regulierend wirken, meist aber gar nicht in Tätigkeit treten, weitere Wirkungskreise offen stehen und wie Aktiengesellschaften völlig gemeinwirtschaftlichen Charakter annehmen.
Die einzelnen Kolonisten vermögen nur dem Trieb der Selbsterhaltung folgend für den nötigsten örtlichen Verkehr zu sorgen. Über den Ausbau ihres Talweges reicht der private Zusammenschluß ihrer Kraft an Arbeit und Kapital nicht hinaus. Nur langsam gelangt von innen heraus in diesen Neuländern allmählich ein Trieb zur Beherrschung der umgebenden Natur zum Ausdruck, deshalb sollten von auswärts, von jenseits des Meeres, aus Europa, einzeln Private, wie so erfolgreich Dr. Meyer in Neu-Württemberg, und Gesellschaften, wie wir es von der neukolonisierenden Gesellschaft von Sta. Catharina erwarten wollen, für neue Verkehrsmittel sorgen und den Zug des Exportkapitals über See vorbereiten.
So braucht Brasilien, besonders auch Sta. Catharina, zukünftig zu der Entfaltung von großzügigen Anlagen kapitalkräftige Personen oder Aktiengesellschaften, die gleichzeitig Menschen wie das nötige Kapital zum Ausbau einheitlicher Verkehrssysteme und zur Ausbeute der großen Naturschätze ins Land führen.
Besonderer Teil.
Die einzelnen Verkehrsmittel der Komark Blumenau und ihrer Anschlußgebiete in ihrer Tätigkeit.
Laufpikaden.
Das ganze brasilianische Berg- und Tafelland ist arm an Verkehrswegen. Abgesehen von den Küstenstrichen und Uferländereien fahrbarer Flüsse finden wir fast durchweg nur Pfade, keine Wege, keine dauerhaften Brücken, kein einheitliches, zweckmäßig angelegtes Wegnetz, wenig geregelte Wegunterhaltung und wenig organisierten Betrieb. Aber auch die Pfade finden am Urwaldrand der Randgebirge Südbrasiiiens ihr Ende, und nur an markanten Pässen sah ich im Urwald die Spuren der Buger (Indianer) sich zu einem Pfad verdichten.
Die üppige Vegetation gestattet wohl hier und dort für den einzelnen Mann ein Durch schlüpfen unter Zweigen oder an Stellen hohen dichten Waldes einige 100 m ein Vorwärtskommen ohne Waldmesser und Axt, im übrigen aber muß der Eindringling und erst recht, wenn ihm Träger folgen, sich eine Gasse, eine Pikade, in das Gehölz hauen. Namentlich der Außenrand des Waldes an Flußläufen und Weganlagen und oben am Gebirgsrand, d. h. wo Luft und Licht zutritt, ist mit Taquarrohr, Lianen und ähnlichen Schlingpflanzen heckenartig verwachsen (Tafel II und XXVIII).