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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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332 Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.

Tage, in einzelnen Fällen 34 Wochen gesperrt, während welcher Zeit die Schiffe im Hafen gefangen liegen. Entweder wehrt beim Ost- und Nordost­wind hoher Wellengang die Ausfahrt oder der Wasserstand des Meeres ist zu niedrig oder Landwinde treiben das Wasser aus der Lagoa und von der Barre. Bei freier Einfahrt verkehrt dreimal im Monat ein kleiner Dampfer des Lloyd Brazileiro, die DampferMax undMeta und außerdemPinto undIndustrial, zwei Privatdampfer, die direkt zwischen Laguna und Rio de Janeiro laufen.

Diese großen Schwierigkeiten der Barren an der Küste Sta. Catha- rinas dürften im Zunehmen begriffen sein. Es scheinen die Nord- und Süd­strömungen der brasilianischen Küste sich gerade am Festland von Sta. Catha- rina zu treffen. Bei Nordwind verstärkt sich der Südstrom (der südwärts flutende Brasilienstrom) und treibt den Angriffspunkt des Nordstroms (des nach Norden drängenden Falklandstroms) nach Süden zurück, während bei Südwind sich der Nordstrom verstärkt. Dieses wechselnde Zusammentreffen verursacht an der Küste von Sta. Catharina die Stauungen und Erhöhungen oder die Abflachungen des Wasserspiegels, die in Florianopolis 1 m Unter­schied des Wasserstandes ergeben. Gleichzeitig hebt sich die ganze Küste, die Muschelberge (Tafel III) treten hervor und das Vorland der Insel Sta. Catharina wächst. Die Kirche S. Francisco in Florianopolis lag vor 30 Jahren am Meer, heute steht sie 100 m davon entfernt und der Praga 13. de Mai an der Praia ist erst vor einigen Jahren dem Meere abgewonnen.

Aus diesem Grunde scheinen die ganzen Hafenverbesserungen, die gegen Schwemmland in Florianopolis, Laguna und Itajahy zu arbeiten haben, von Grund aus verfehlt zu sein. Um so mehr gewinnt aber die tiefe Bucht von Säo Francisco als Zukunftshafen von Sta. Catharina, ja alsder Hafen von ganz Südbrasilien (in Rio Grande do Sul und in Parana sind die Barren aller Häfen ebenso verkehrsstörend) an Bedeutung und das Kapital, das S. Francisco wirtschaftlich in Händen hält, besitzt die Schlüssel zu den vorzüglichen Hoch­landszugängen der fruchtbaren Itapocu (Joinville-) und Itajahy (Blumenau-)täler und damit das Monopol für den späteren Landverkehr nach Paraguay.

Küstenverkehr.

Der Seeverkehr ist vielleicht derjenige Dienstzweig des Verkehrsmini­steriums, der am meisten heruntergekommen ist. So äußerte sich nach der Deutschen Zeitung in Porto Alegre Ende 1906 der brasilianische Verkehrs­minister.

Es wurde deshalb geradezu als eine Erlösung bei allen tüchtigen Ge­schäftsleuten empfunden, als im Jahre 1905 deutsches Kapital in Ver­bindung mit der Hamburg-Amerika-Linie eine neue KüstenlinieCrouzeiro do Sul mit hervorragend ausgestatteten und musterhaft geführten Dampfern einrichtete. Die DampferSaturno,Orion,Jupiter undSirio verkehrten