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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Die Komark Bluraenau. Verkehrsverhältnisse.

die brasilianische Post nach New-York über Europa geleitet wird, weil sie mit diesem Eckverkehr 57 Tage früher ankommt.

Gegenwärtig hat die Bundesregierung mit einer Riesenarbeit begonnen, sie läßt eine Telegraphenlinie vom äußersten Ostrande des Staates bis zum äußersten Westen bauen. Die Linie soll 12000 km lang werden und vom Staat Para über Minas Geraes nach Matto Grosso geleitet werden.

Für Deutschlands Weltwirtschaft aber wäre es von allergrößter Be­deutung, wenn endlich, wie eben verlautet, ein deutsches Kabel nach Südamerika, wo so wichtige deutsche Interessen auf dem Spiele stehen, gelegt würde. Die bekannte Art der Havas Agentur, die über die wichtigsten deutschen Erfolge nicht berichtet, aber jeden Klatsch über Mißverhältnisse in Deutschland übertreibend wiedergibt, hat unserem Ansehen im Ausland sehr geschadet, und wenn heute in Südamerika deutsche Verhältnisse und Ab­sichten so oft verkannt werden, so ist in erster Linie diese telegraphische Nachrichtenfabrik schuld, die in systematischer Herabsetzung und Verächt­lichmachung aller deutschen Einrichtungen geradezu niederträchtig wirkt. Nur Vie des Weltkabelnetzes (27000 km) befindet sich in deutschen Händen, aber die deutsche Regierung hat den hohen Wert deutscher Kabel, wie es nun scheint, endlich erkannt. So wichtig es ist, wenn die deutsche Reichs­regierung durch ihre Konsulate über die Entwicklung überseeischen Wirt­schaftslebens in Südamerika wohl unterrichtet (?) die deutsche Industrie und deutsches Kapital zur überseeischen Ausdehnung anspornt, den bedeutendsten Schritt zu deutschen Erfolgen könnte sie machen, wenn zu einem deutschen Kabel nach Brasilien noch eine führende, vorzüglich unterrichtete deutsch­brasilianische Zeitung geschaffen und unterhalten würde. Die Gelder, die für eine solche Presse geopfert würden, müßten von allen Unternehmen um so größeren Vorteil bringen, je schlimmer die bisherigen Depeschenbureaus in Brasilien deutsche Vorgänge entstellt haben.

Fluß verkehr.

Die Besprechung des Flußverkehrs führt nochmals zurück zum Urwald, wo der Waldläufer lieber in den kalten Bächen watet oder von feuchtglattem bemoostem Stein zu Stein springt, um sich das Pfadhauen im Wald zu er­sparen. Die breiteren Flüsse im Walde erscheinen als luft- und lichtspendende Furchen von der Natur in den Wald gelegt, um dessen Bewohnern eine An­leitung zum Verkehr zu geben. Um so deutlicher erkennen wir die Rückständigkeit der Blumenauer Botokuden, die selbst die Benutzung von Kanoes nicht kennen.

Die Flußfahrzeuge des Urwaldes richten sich nach der landesüblichen brasilianisch-indianischen Sitte der Nachbarländer, es sind meistens Kanoes, ausgehöhlte Baumstämme aus Cedern- oder Canellaholz. SogenannteDrei­borde sind selten, da das beim Aushöhlen verlorene Holz in diesem Wald-