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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.

sehbarer Zeit, und die Rentabilität wird in dem langgestreckten, fruchtbaren, dichter zu bevölkernden und vielfach vorgeschritteneren Amerika und bei den gerade im modernen Verkehrswesen Großartiges leistenden Ausgangs­orten New York und Buenos Aires weit eher zu erwarten sein, als von der Cecil Rhodesschen KapKairo-Bahn, die über keinen einheitlichen Gedanken aller Bahnangrenzer als politische Grundlage verfügt und kommerziell mit der Ausbeutefähigkeit der panamerikanischen Bahntrace gar nicht verglichen werden kann.

Post und Telegraphie.

Im Anschluß an die Bahnfrage sei Post und Telegraphie besprochen, um nachher in einer fortlaufenden Reihe den Verkehr auf dem Wasser, den Flüssen, Strömen, Küstengewässern und dem Ozean, betrachten zu können.

Die Post hat sich in Europa organisch Schritt für Schritt entwickelt, ihre Technik vervollkommnet und dabei auch ihren Nutzen wahrgenommen; in Neuländern aber kommt der Post die Aufgabe zu, dem Verkehr vorauszu­eilen und ihn erst anbahnen zu helfen. Namentlich ist es die deutsche Post, die in dieser Hinsicht in den deutschen Kolonien Großes leistet. Die selb­ständig gewordene Kolonie Brasilien muß nun der Hilfe eines Mutterlandes entraten, entbehrt also der Hilfe von außen, und da die Beamten keine Fachmänner sondern in der Regel politische Kreaturen sind, die sich viel­fach auch als politische Agenten fühlen und geben, fehlt es auch an ge­nügender innerer Qualität des Postwesens und seiner Beamtenschaft. Als vor zwei Jahren in Blumenauder Briefbote angestellt wurde, sind über diesen wichtigen politischen Fall Telegramme aus Blumenau direkt mit dem Minister gewechselt worden. Kein Wunder, wenn sich dann der Postbeamte wie ein Pascha fühlt, statt sich im Dienst des verkehrwünschenden Publikums be­findlich anzusehen.

Wie sonst in Brasilien ist auch in Blumenau gar nicht davon die Rede, daß sich die Post in den Dienst des Wirtschaftslebens stellt; sie zieht ledig­lich ihren finanziellen Vorteil aus den Transportpreisen des Nachrichtenwesens. Von Postgebühr kann man schlecht reden, denn ein einfacher Brief ins Ausland kostet 300 Reis, nach dem heutigen Kurs etwa 40 Pf.

Die Post in Blumenau hat keinerlei Seitenlinien nach den frucht­baren Tälern des Testo oder Beneditto. Auf 42000 Menschen, die auf einer Fläche, größer als das Großherzogtum Hessen, verteilt wohnen, gibt es nur drei Postagenturen III. und IV. Klasse: Stadtplatz Blumenau, Indayal und Hammonia; und letztere Poststation, erst 1905 eingerichtet, wäre ohne dauern­des Drängen der H. K. G. nicht eingerichtet worden. Demnach kommt in Blumenau auf rund 4000 qkm eine Poststelle; in Deutschland auf 15 qkm (in Ostafrika auf 37 000 qkm). Bezeichnend ist die Tatsache, daß die drei Post­stationen einmal senkrecht zur Küste in einer Linie liegen und zum anderen, daß diese Linie nach der neuesten Kolonie führt, deren neue Einwanderer eben