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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.

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nach dem Bahnbau rationell erscheinen lassen, nicht jede gute Kolonie sofort zum Verkauf zu stellen, sondern mit dem Verkauf auf eine höhere Be­wertung des Bodenpreises zu warten.

Bei der Wegerkundung erweisen sich die Andeutungen der Natur im dichten Urwald für den Waldläufer als besonders eindrucksvoll. Er ver­sucht immer wieder, einen Bergrücken entlang zu gehen oder unten im Tal den Flußläufen zu folgen. Beide Momente bestimmen dann vereint die Weg­richtung und die Aufteilung der wichtigsten Vermessungsfronten. So führt von Moema nach Lucena hoch oben auf dem Bergrücken entlang die alte Ver­messungsfront, der spätere Weg. Wohl liegen, gut für die Landverkäufer verteilt, die Kolonien rechts und links der Straße, und auf die einzelne Kolonie entfällt nur die Hälfte der Wegbaukosten. Aber diese Straße geht bergauf, bergab und ist von Haus aus berufen, jeden Verkehr zu erschweren. Und die Rodungen und Felder der Kolonisten liegen, weil es oben am Rücken an gutem Schwemmland fehlt, abwärts, meist 11,5 km von der Straße und den ersten Wohnhäusern entfernt, so daß das Wirtschaftsleben er­schwert wird.

Anders liegen die natürlichen Bedingungen für die Anlage von Kamp­wegen, die durch ganz dünn besiedeltes und dabei offenes Land führen. Da sucht der Ausleger der Saumpfade natürliche Niveauunterschiede von Tal und Berg geflissentlich auf, um dadurch für den Abfluß der Regenwasser das nötige Gefälle zu erlangen, zumal nur Reit- und Saumtiere diese Pfade klettern und nicht die tote Last des Wagens in Betracht zu ziehen ist, und er kennt als feste Punkte des Weges nur die zu berührenden Estancias und die best­geeigneten Flußübergänge. An Felspartien wird mit Vorliebe übermäßig nach aufwärts ausgebogen. So ist heute der eigentliche Zugang zur Blumenauer Hansakolonie im Auftrag der H. K. G. mit über 500 m verlorener Steigung (!) über ein Gebirge, den Cochoberg, geführt, nur weil unten im Tal etwa 100 cbm Fels zu sprengen gewesen wären, und zwischen dem Raphaelfluß und Neu- Bremen hat man denselben Fehler wiederholt.

Sobald verhältnismäßig bedeutender Kapitalaufwand etwa für größere Brückenbauten und Felssprengungen nötig wird, reichen die vorhandenen privatwirtschaftlichen Kräfte nicht aus und die gemeinwirtschaftlichen Or­gane, die hier eintreten sollten, versagen in Brasilien öfter als sie Erfolg aufweisen.

Die Verkehrsmittel als Gegenstand der Gemeinwirtschaft.

Während wir in Deutschland es als etwas Selbstverständliches ansehen, daß die Verkehrsmittel einer Regelung seitens der vom Staate dargestellten Gemeinwirtschaft unterliegen, ist in Neuländern, in denen der natürliche Boden als Weg dient und die Verkehrsmittel namentlich in den offenen Campos, Llanos, Prärien, Steppen und Savannen und bei den geringen Nntzungsgelegen-