Druckschrift 
Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

Die Komark Blumenau. Verkehrsverhältnisse.

273

Besuch von Kirchen und Schulen übt das Wetter bei den schlechten Wegen namentlich in Gegenden mit unvollkommenem Wegnetz naturgemäß großen Einfluß aus. Als z. B. Pfarrer Dr. Aldinger bei seiner südbrasilianischen Reise 1905 in Neu-Württemberg mit seiner besonders regen Pfarrei predigte, war trotz schlechtestem Wetter die Kirche voll. Freilich hat die Meyersche Kolonie gute Wege und Brücken. Als er bei derselben Reise in Tres For- quilhas bei Regenwetter predigen wollte, kam niemand; dort gibt es keine einzige Brücke und durch Regengüsse war der ganze Verkehr sofort auf­gehoben. Für Schulbesuch hat neuerdings der deutsche Schulverein für Sta. Catharina Fehllisten eingeführt. Bei schlechtem Wetter ist je nach ört­lichen aber auch persönlichen Verhältnissen der Schulbesuch bis auf Null herabgedrückt.

Für das engere Zusammenarbeiten der verschiedenen kirch­lichen Verbände und eine einheitliche Schulorganisation kann erst ein regelmäßig arbeitendes Verkehrsmittel, wie eine Bahn, die nötigen Grund­lagen schaffen. Auch im gesellschaftlichen Verkehrsleben zeigt sich der Koloniecharakter; viele Blumenauer sind nach dem Heimatlande gereist, aber sie haben weder das naheliegende Brusque, Joinville, noch die Blumenauer Hansa, obwohl sie fortwährend über sie urteilen, besucht. Solche Tatsachen sind bedauerliche Folgen philiströser Trägheit und stumpfsinniger Interesse­losigkeit an den deutschen Nachbarkolonien. Mögen die verbesserten Ver­kehrsmittel hier anregend wirken! Von dem zu erwartenden Einfluß auf das gesellschaftliche Leben urteilt der BlumenauerUrwaldsbote:Einstweilen wird durch die Lokalbahn von Blumenau nach Hammonia das hanseatische Kolonisationsunternehmen, welches in letzterer Zeit nur noch vegetiert hat, lebensfähig gemacht. Alle Klassen der Bevölkerung, die durch die lang­wierige Krisis, die wir gegenwärtig durchzumachen haben, niedergedrückt und mißmutig geworden sind, werden durch die Gewißheit, daß uns ein Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere bevorsteht, mit neuem Lebensmute erfüllt. Auch unser soziales und politisches Leben, das einen recht philiströsen Anstrich hat, da Kleinlichkeiten in ihm eine große Rolle spielen, wird von einem erfrischenden Lufthauch durchweht werden, wenn wir nicht mehr von aller Welt abgeschlossen, selbstgenügsam in unserem Winkel dahinleben. Es werden neue Anregungen gegeben und neue Ziele gesteckt und der geistige Gesichtskreis wird sich erweitern.

Im engen Kreis verengert sich der Sinn,

Es wächst der Mensch mit seinen höhern Zwecken.

Wirtschaftlicher Charakter der Verkehrsmittel.

Werfen wir nunmehr einen Blick auf die Gesetze der technischen Transportvervollkommnung der einzelnen Verkehrsmittel.

Der deutsche Einwanderer war von der Heimat her mit Errungen-

Wettstein, Brasilien und Blumenau. 18