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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Die Komark Blumenau. Schlußwort.

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Im Jahr 1905 dagegen betrug die Mehreinnahme gegen das Vorjahr 1904 nur 1:484$656 d. h. nur 472°/ 0 Mehreinnahme gegenüber dem Vorjahre. Selbst wenn man aber die Minderausgabe für Wegbauten mit 15% zu den Landeinnahmen zuschlägt, so kämen die Mehreinnahmen 1905 nur auf 1972% Zuwachs gegenüber 63% im Jahr 1904. Die erhöhten Wegausgaben im Jahr 1904 haben sich also wohl gelohnt.

Die neue Kolonisation im Westarmgebiet wird sich hoffentlich von Spezerei- und Kolonialwarengeschäften fernhalten, wie das früher der Direk­tor der H. K. G., Sellin, als den einzig richtigen Standpunkt einer kolonisie­renden Gesellschaft bezeichnet hat. Statt dessen ist die Errichtung eines Kreditinstituts zu wünschen, das etwa bis zu % der geleisteten Anzah­lungen oder dem halben Wert der auf der Kolonie geleisteten Kulturarbeit Kredit für Lebensmittel gewähren, Bareinlagen einzelner wohlhabender Ein­wanderer und Produzenten, die mehr produzieren als konsumieren, annehmen und für Beschaffung des ersten Viehs und wirtschaftlicher Anlagen Ein­wanderern Vorschüsse bewilligen kann. Arbeitet solches Institut nicht un­mittelbar zum Vorteil der kolonisierenden Gesellschaft, sondern zur wirt­schaftlichen Hebung der Gemeinschaft der Einwanderer, dann wird es das volle Vertrauen der Einwandernden um so leichter erringen, als die heutigen Einwanderer von Deutschland aus Verständnis für gemeinnützige Einrichtungen mitbringen. Aus dem gehobenen Arbeitsmarkt aber wird die Landgesellschaft sowohl beim Losschlagen wie bei der Bezahlung ihrer Grundstücke mittel­bar erhöhten Nutzen ziehen können, damit also wieder auf ihre Kosten kommen. Der bisherige Leiter der Blumenauer Hansa scheint sich zu solcher Politik aber als zu kleinlich und kurzsichtig zu erweisen.

Mit diesen Erörterungen über das Kreditwesen und die Gründung einer Bank in Blumenau seien die Betrachtungen über das Wirtschaftsleben dieser Kolonie abgeschlossen.

Schlußwort über das heutige Wirtschaftsleben in Blumenau.

Fassen wir das über das heutige Wirtschaftsleben in Blumenau Gesagte zu einem Schlußwort zusammen. Die elementare Natur hat Jahr­hunderte hindurch dies Gebiet durch gebirgigen Urwaldbestand im Gegensatz zu den Nachbarländern in der Kulturentwicklung gewaltsam zurückgehalten. Die ersten Kolonisatoren, die Portugiesen, waren in andern Teilen der Welt stärker interessiert und für die Waldarbeit weniger geeignet. Ein fürsorgen­des Walten einer höheren Naturordnung wies es dem aufstrebenden, einst durch vorherrschenden Wald selbst zurückgehaltenen und im Kampf mit diesem zu schweren wirtschaftlichen Unternehmungen gestählten, kühleren Zonen ent- sproßten und deshalb lebenskräftigeren Germanenvolk zu, das vom Jahr 1850 an deutsche Kultur fertig auf die neue Kolonie Blumenau übertrug. Dieses

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Wettstein, Brasilien und Blumenau.