220
Die Komark Blumenau. Bankanstalten.
einen vorzüglichen Standort für industrielle Anlagen in dem unruhigen Meere latinoamerikanischer Zustände dar. Und der intrigante Haß, den die einheimische Menge als ärgstes Erbteil portugiesischer Kolonialpolitik heute noch jedem Fremden entgegenbringt, bleibt zwar dem deutschen Zuwanderer, der in Blumenau nicht verwandt oder verschwägert ist, nicht völlig erspart, aber er äußert sich doch nur als Plagiat gegenüber nativistischen Originalen.
Eine Vorbedingung, die bisher schwere oder im Verhältnis zu ihrem Gewicht geringwertige Industrieprodukte völlig von der Komark Blumenau ausschloß, fehlt jedoch für die belangreiche Industrie in Blumenau: es mangelt an vollkommenen Verkehrsmitteln! Die wichtigsten Wasserfälle liegen 70 bis 100 km vom Flußhafen Blumenau entfernt. Ihre industrielle Ausbeute ist bei den heutigen, unberechenbaren Wegen nicht denkbar. Es ist aus denselben Gründen auch natürlich gewesen, daß die wichtigen industriellen Anfänge sich fast alle in und bei dem Stadtplatz entwickelt haben und daß die beste Straße, die es in der Komark Blumenau gibt, wie erwähnt, die wichtigste Fabrik des Munizips mit dem Stadtplatz, dem Flußhafenort, verbindet.
Die Verkehrsbedürfnisse moderner Industrie können also durch die heutigen Blumenauer Verkehrsmittel nicht befriedigt werden. Gewisse Grenzen für die industrielle Entwicklung werden aber stets gezogen bleiben. Der Handel wird der ganzen Entwicklung des Wirtschaftslebens folgen, ja ihr vorauseilen können und hat deshalb um so größere Aussichten, als hier in Brasilien noch gewaltige Neuländer der Erschließung harren. Die Industrie aber kann nur in bestimmten Zweigen und stufenweise folgen, denn sie stellt höhere Ansprüche an das Arbeitermaterial und die Unternehmer, als sie selbst eine mit europäischem Blut aufgekreuzte oder stark durchsetzte Bevölkerung Brasiliens für die nächsten Jahrzehnte zu bieten vermag. Wirkliche Qualitätsarbeit vermögen, einzelne Spezialfälle wie z. B. Arbeiten der Stickereischulen ausgenommen, selbst die Vereinigten Staaten von Nordamerika heute noch nicht zu leisten, und die nördliche Union ist der südlichen Union um zwei Menschenalter im Wirtschafts- und Volksleben voraus. Aus eben diesem Grunde aber würden sich industrielle Anlagen in Blumenau von neuem empfehlen, weil der deutsche Kolonist an Intelligenz den brasilianischen Nachbar weit überragt und erst recht die deutsche Einwanderung genügende Arbeitskräfte abgeben könnte.
Bankanstalten.
Am Arbeitsfaktor mangelte es in der hochfruchtbaren Siedlerkolonie also weniger, aber es fehlt Kapital und eine finanzielle Zentrale, eine Bankstelle, die das bereits verwandte und in Anlagen ruhende Kapital flüssig macht und zuströmendes Kapital wirtschaftlich und kaufmännisch verteilt.
Die heutige Geschäftseinteilung des Handels ist für die Errichtung eines