Die Komaik Blumenau. Industrie.
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keit der Bevölkerung und ohne Geldwirtschaft, welche die Vorherrschaft der Kaufleute und das allgemeinübliche Pumpsystem beschränkt, keine nennenswerten Fortschritte machen. Diese beiden Forderungen sind aber, wie an anderer Stelle erörtert wurde, abhängig von besseren Verkehrsmitteln. Also auch in diesem Falle spricht der Bahnbau das entscheidende Wort.
Industrie.
Wie die Blumenauer Landwirtschaft schon heute Ansätze zum Großbetrieb zeigt, so hat zunächst Wasserkraft und demnächst die Anwendung des Dampfes zu Anfängen einheimischer Industrie geführt. Schon die Verarbeitung der Butter erfolgt fabrikmäßig mit Motoren z. B. bei Salinger in Itoupava secca (Altona) und bei Donner (Timbo) und anderen Betrieben. Bei Donner werden ebenso Früchte wie Fleischwaren, Wurst und Schinken fabrikmäßig verlattet. Auch an verschiedenen anderen Plätzen finden wir größeren Aufwand für Anlage, Produktion und Vervielfältigungsprozeß, sowie im Generalkonsum des Betriebs und damit gleichzeitig den Übergang von der Handarbeit zur Maschine.
So können wir von einer fabrikmäßigen Verarbeitung des Rohtabaks durch die Firma Salinger & Cie. und von einer Zigarrenindustrie reden, obwohl früher, bevor sich die Konsumsteuer wie der Reif in der Frühlingsnacht auf die allgemein aufblühende Zigarrenindustrie legte, in weit größerem Umfang Rohtabak gleich an Ort und Stelle in Blumenau verarbeitet worden ist (1899 6 Mill. Zigarren). Aber diese Industrie, die an landwirtschaftliche Erzeugnisse des Landes selbst anknüpft, hat von Haus aus einen schweren Stand, da die Intensität und Rationellität der Landwirtschaft und deren Übergang zu Großbetrieben mit ihr nicht Hand in Hand geht. Erst wenn auch diese letzte Forderung erfüllt ist und landwirtschaftlicher Großbetrieb die kaufmännische Seite stärker betont, kann von einem organischen Ineinanderarbeiten, von einer auf der Landwirtschaft ruhenden Industrie die Rede sein.
Inzwischen ist aber, nicht von den im hochfruchtbaren Blumenau billigen landwirtschaftlichen, sondern den teuren Einfuhrerzeugnissen ausgehend, aus kleingewerblichen Anfängen heraus ein anderer Industriezweig, die Weberei, hochgekommen.
Die Art der Betriebe ist entsprechend der Entstehung aus eigener schwacher Kraft (fast nur arme oder gering bemittelte Einwanderer) die der Kleinbetriebe und es ist zu hoffen, daß einwanderndes deutsches Großkapital seine Aufgabe nicht darin sucht, diese kleinen lokalen Betriebe aufzusaugen, deren Leiter sich um die Entwicklung der Kolonie hochverdient gemacht haben, sondern sich entweder auf neue Industriezweige (Porzellanmanufaktur, Emailwaren, Spinnereien, Papierwaren, Gerb- und Farbstoff-