Druckschrift 
Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
Entstehung
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

212

Die Komark Blumenau. Kleingewerbe.

sumenten und der Aushungerung der Konkurrenten zu verantworten haben. Aber jedes Fortschreiten und jede Entwicklung des Handels geht parallel mit der Verbesserung der Kommunikationsmittel. 1 ) Auch der inneren Be­schaffenheit nach ist der Handel ein Erzeugnis der Verkehrsbedingungen. Regelmäßige Verbindungen würden in Blumenau zu einem ausgedehnten Tabaks­anbau und Tabakshandel führen und das Sammeln der Milch in Molkereien ermöglichen und so die ausgesprochene Hauptware, die Butter, verbessern. Schnelle Verkehrsbedingungen erlaubten mit Hunderten von Flußdampfer­fahrten den Absatz tropischer Früchte. Billige Frachten aber müßten neue großartige Handelsartikel, ja eine Massenausfuhr von Holz und Mate zulassen. Bisher haben lange Stundungen das Kapital in seinem Umlauf gehemmt, bessere Verkehrsmittel ließen das Geld schneller durch das Land rollen, es zweimal, dreimal so oft in derselben Zeit arbeiten. So muß der Aufschwung des Handels durch den Bahnbau um so größer sein, je stärker durch die bisherigen Transportmittel der Handel gelähmt und je größeres Verkehrs­bedürfnis vorhanden war und zu befriedigen bleibt.

Kleingewerbe.

Ein selbständiges Gewerbe 2 ) ist, sobald es sich lohnte und sich zum Großbetrieb in der verzweigten Kolonie eignete, von einzelnen Kaufleuten an sich gerissen worden, obwohl gerade der Handwerker seine Einnahmen in verstärktem Rohmaterialbezug doch wieder dem Händler gebracht hätte. Aus diesem Handwerk wären leicht Übergänge zu der für den Kaufmann so ' wichtigen Industrie zu bilden gewesen. Hoffentlich ergreift die Munizipal­kammer endlich einmal Maßnahmen, um eine gewerbliche Tätigkeit als vor­herrschende Arbeit mancher Mitglieder heranzubilden und den selbständigen Handwerkerstand zu schützen.

Die gewerblichen und industriellen Anlagen sind S. 154 aufgezählt. Die Entwicklung zum allmählich selbständig werdenden oder gewordenen Ge­werbe vollzog sich wie beim Handel. Im Vordergründe stehen, was die ge­lieferten Mengen angeht, natürlich die 12 Brauereien und allein die junge Blumenauer Hansa besitzt 2 Bierbrauereien. Im Jahre 1904 sind in dieser Kolonie nicht weniger als 150000 Flaschen Bier zu 300 Reis verkauft worden, von deren Verbrauch der Bund, ohne einen Real (Vio Pf.) für die Kolonie, ihre Verkehrsmittel, Schulen, Kirche usw. zu leisten, 6000$ (damals rund 6000 M.) Akzise d. h. auf den Kopf der Bevölkerung rund 6 M. Verbrauchs­steuer zog. Die einzelnen Brauereien liefern jährlich 2540000 Flaschen. Riechbieter in Blumenau mag 80000, Jennerich bis 150000 Flaschen jährlich

9 Vgl. Sax, Transport- und Kommunikationswesen.

2 ) Der BegriffGewerbe ist in dieser Schrift enger gefaßt alsKleingewerbe und derIndustrie, demGroßgewerbe, gegenübergestellt. D. V.