Druckschrift 
Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Die Komark Blumenau. Handel.

Zeiten wirtschaftlicher Flut darstellen und für Begleichung der Rechnungen vermutlich Anfang des Jahres eine wichtige Periode schaffen.

Fassen wir diese ganzen Erörterungen über die ausfuhrfähigen Erzeug­nisse der Komark Blumenau zusammen, so ergeben sich folgende Schluß­folgerungen:

Die Kolonie, für Buttererzeugung eingerichtet, besitzt in der Butter eine den Verhältnissen des Landes und der Neigung der Bewohner wohl an­gepaßte Ausfuhrware, die bei rationellerem Betrieb und Vertrieb so steige­rungsfähig ist, daß sie für absehbare Zeiten als Hauptausfuhrware zu be­zeichnen ist. Schmalz und Butter dürften ihren verhältnismäßigen Anteil am Handel durch Steigerung der Erzeugung leicht vermehren. Die erwünschte Differenzierung der Ausfuhrerzeugnisse aber wird durch vermehrten Anbau von Reis, Tabak und tropischen Früchten zu erreichen sein. Gleichzeitig wird dadurch Geld von fremden Staaten ins Land gezogen.

Es besteht große Wahrscheinlichkeit, daß die wirtschaftliche Entwick­lung sich diesen Forderungen in den nächsten Jahren nach dem Bahnbau an­passen wird. Verschaffen wir uns jetzt noch Klarheit über Handel und In­dustrie und über das Volksleben der Kolonie, so ist damit über die grund­legenden Verhältnisse berichtet, mit denen die Wechselwirkungen der Verkehrs­verhältnisse in einem besonderen Kapitel in Beziehung gestellt werden sollen. Ohne bessere Verkehrsmittel, wie Bahnen, ist keine erfolgreiche wirtschaft­liche Weiterentwicklung möglich. Es ist aber auch keine richtige Anlage der Verkehrsmittel denkbar, ohne Klarheit über die voraussichtliche Entwicklung der wirtschaftlichen Lage, deren nächster Hauptteil, der Handel, nunmehr be­sprochen werden soll.

Handel.

Bei dem bisherigen Entwicklungsgang der Kolonie Blumenau konnten sich die freieren Siedlungsformen, Handel und Gewerbe, um so schwieriger ent­wickeln, als sich auch für Sta. Catharina die geschichtliche Tatsache be­merkbar gemacht hat, daß Portugal ängstlich merkantilistisch darauf bedacht war, seine Kolonien in völliger wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Mutterland zu erhalten. Hohe Zölle und Abgaben, Beschränkung des Handelsverkehrs tunlichst auf die Küstenstriche, argwöhnisches Überwachen von Fremden, wie es sich heute noch in den dunstigen Köpfen der Nativisten niederschlägt, Verbot des Öl- und Weinbaues und der Salzgewinnung wie andererseits jeder Anlage von Fabriken hielten künstlich vom brasilianischen Volk Sinn und Verständnis für Handel, Kleingewerbe und Industrie fern. 1 ) Als aber der europäische Handel Ende des 19. Jahrhunderts starke Ausdehnungskraft nach anderen Ländern der Erde zeigte, hielt die verlotterte Wirtschaft der jungen Republik, die nichts, auch nicht seine verhältnismäßige Ehrlichkeit mit dem

9 Vgl. A. Funke, Deutsche Siedler über See.