Die Komark Blumenau. Pflanzliche Erzeugnisse.
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Aussicht auf größeren Erfolg und wird, sobald die Bahn notwendigerweise bis zum Hochland durchgebaut ist, billiger durch die Viehzüchter auf den Campos gedeckt werden.
Pflanzliche Erzeugnisse.
Das in Südbrasilien allgemein verbreiteste pflanzliche Erzeugnis ist der Mais, der seine Preisschwankungen dem Schmalzpreis wie dem Fleischmarkt mitteilt. Seine lokalen Preise stellen deshalb ein Gesamtergebnis der Fruchtbarkeit, der günstigen oder schlechten Jahrgänge, der Anbaumenge und vor allem der Ausbildung der Verkehrsverhältnisse dar. Der Maispreis regelt sich ferner im Inland, also unabhängiger von den Kursschwankungen; ich wollte deshalb versuchen, aus den Maispreisen Rückschlüsse auf die Einwirkungen der Verkehrsverhältnisse zu ziehen. Leider sind aber nicht genügend Antworten auf meine Rundfragen eingegangen, um diese Aufgabe lösen zu können.
Die Tatsache, daß Blumenau höchstens aus nächster Nähe des Stadtplatzes und Flußhafenortes Blumenau ein paar Säcke Mais gelegentlich ausführt, spricht scheinbar ein schlechtes Urteil über die heutigen Transportmittel der Kolonie. Der Mais dient in Blumenau ausschließlich örtlichen Zwecken, als Brotgetreide und für Pferde als ausschließliches Kraftfutter, für Rindvieh als Grünfutter, für Schweine und Geflügel als Mastfutter. Der Nachteil der Unhaltbarkeit und der Gefährdung durch Rüsselkäfer ist ein großer. Auch bei besseren Verkehrsmitteln wird es deshalb für den Landwirt ratsam bleiben, den Mais nur für den eigenen Konsum zu produzieren und nach dem eigenen Bedarf die Anbaufläche zu regeln. Damit kommt der Mais als Ausfuhrware in absehbarer Zeit nicht in Frage. Diejenigen Kolonisten aber, die den Mais an Pferdebesitzer, die solchen nicht selbst erzeugen, zum Verkauf bringen, täten gut daran, sich vor der Aussaat gemeinsam über die Anbaumenge zu verständigen. Namentlich in der Hansakolonie hat es bisher an solcher Verteilung der Kulturfläche (auch für schwarze Bohnen) gefehlt, obwohl ja die H. K. G. einen stattlichen Beamtenstaat und eine eigene Zeitung, den „Hansaboten“, unterhält.
Wie heute bei der fehlenden Verbindung mit dem roggenbauenden Hochland Mais das Brotgetreide der Tieflandkolonie abgibt, so sind die schwarzen Bohnen das Morgen-, Mittag- und Abendgericht der eingeborenen oder akklimatisierten Brasilianer. Während man in Dona Fran- cisca 1897/98 9 40—50$ für den Sack Bohnen zahlte, kostete 4 Jahre später der Sack nur 7—8$; freilich ist nicht angegeben, ob der erste Preis der höchste, der letzte der niedrigste war, und ferner ist der Kurs des Papiergeldes in dieser Zeit wieder gestiegen, ein Moment, das fortlaufend sämtliche Preisbewertungen Brasiliens beherrscht (vgl. Kurstabelle
x ) Vgl. Prospekt der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft.