Die Komark ßlumenau. Tierische Erzeugnisse.
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Zeugnisse, die eingeführt werden, wie Reis und Farinha, Zucker, Kaffee, Getreide (Hochland), Öl, Essig, Pfeffer, Senf und ähnliche Artikel versprächen Gewinn und eingemachte Früchte, Butter, verlötete Fleischwaren, Käse, Schmalz, Tabak, Seide, Mate könnten bei rationeller Wirtschaft auch ohne Bahn blühende neue Kulturen vermitteln.
Tierische Erzeugnisse.
Wie erwähnt ist die ganze Kolonie Blumenau für Buttererzeugung eingerichtet und außer den wenigen als Zuchtstiere oder als Puschochsen (Tafel XX) bestimmten Tieren werden alle Bullkälber bereits acht bis zehn Tage nach dem Kalben behufs voller Milchgewinnung geschlachtet.
Das Buttergeschäft blühte und die Ausfuhr nahm von 1899 bis 1902 von 358 551 kg auf 540 832 kg zu. Als sich aber, besonders im Jahre 1900, eine Überproduktion von brasilianischem Kaffee ergab, entschlossen sich die Kaffeebauern von Minas Geraes ihren alten Kaffeeplantagenbetrieb aufzugeben und sich der Schmalz- und Buttergewinnung zuzuwenden. Bald merkten die Kolonisten in Rio Grande den neuen Schmalzkonkurrenten, mit dem sie heute noch nicht fertig geworden sind, und die Blumenauer Butter wurde durch die Minasbutter leicht verdrängt. Die im Wert von mehreren hundert Kontos in Rio und S. Paulo auf gestapelten Butterkisten waren vor zwei Jahren zeitweise gegen bares Geld überhaupt nicht abzusetzen. Der Butterpreis in Blumenau selbst sank in kurzer Zeit auf ein Drittel.
Diese Erfahrung war bitter, hoffentlich aber lehrreich. Die hohen Einnahmen der 90 er Jahre waren zum großen Teil in die Taschen der Händler geflossen, sie schlugen sich auch in den Vergnügungen und den dem gesellschaftlichen Leben dienenden Neubauten nieder, aber an eine Hebung der Viehzucht, Förderung der Buttergewinnung durch Molkereien, Vereinheitlichung der Marken und Hebung der Qualität dachten nur wenige, ja man nutzte auch hier die steigende Nachfrage schändlich aus, und es sollen alle möglichen Bestandteile als „Butter“ verbuttert und verlattet worden sein. Die Blechdosen wurden feiner gearbeitet, schöner lackiert und etikettiert und Butterwaschmaschinen entzogen jedenfalls der Butter nicht das Wasser, das der Kolonist mit ins Gewicht gestellt hatte. Endlich scheint heute die Not die Kolonisten zur Tat aufzurütteln. Man beabsichtigt, Molkereien zu gründen, nachdem in den letzten Jahren die Munizipalverwaltung mit planmäßiger Einfuhr von Rassevieh begonnen und damit die natürliche Grundlage zu rationellerem Betrieb gelegt hat (vgl. S. 164, Milchertrag).
Nach diesem Rückblick und allgemeinen Überblick seien folgende Einzelheiten über den Viehbestand gegeben. In der jungen Blumenauer Hansa gab es nach der Statistik der H. K. G. Ende 1904 nach öjähriger Kolonisation (vorher stand auch nicht eine einzige Palmitenbude in dieser Gegend) 147 Pferde (146 i. V.), 436 (298) Stück Rindvieh, 1746 (1258) Schweine und 1903: 36 Bienen-