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Auszugsweise Abschrift zu IV. 1655.
Anlage 96.
Gutachtliche Äußerung des technischen Referenten des Reichs-Kolonialamts
zu den Angaben in den Protokollen Aul. 62. 63. 66.
Übereinstimmend sagen Dr. Haeberlin und Frau Glamann aus, daß in Manbellion Frauen und Kinder einen offenen, bremslosen Bahnwagen besteigen mußten. Dr. Haeberlin berichtet noch, daß auf dem Wagen auch Gepäck nnd farbige englische Soldaten untergebracht waren. Von farbigen Soldaten spricht auch Frau Glamann/ Missionar Fetzn er spricht von zwei offenen, bremslosen Wagen, einem kleineren und einem größeren, die von Ndunge abgelassen wurden. Die oder der Wagen sollten von Schwarzen mit Stricken gehalten werden. Bis Mauengole sind die Frauen mit den Kindern und ein Schwarzer abgesprungen/ letzterer sprang gleich hinter Manbellion ab und verunglückte tödlich.
Nach Fetzner kam dem Wagen ein von Eseln gezogener Proviantwagen entgegen, der sicb etwa 5 kin von der letzten Absprungstelle befunden haben soll Dr. Haeberlin gibt an, daß dieser schwere von vier Maultieren gezogene Wagen sich auf dem Wege von Manengoteng nach Manengole befand.
Der Wagen ist einige Kilometer hinter Manengole in einer Krümmung entgleist lFrau Glamann). Dr. Haeberlin bezeichnet die Entgleisungsstelle als zwischen Manengole und Manengoteng liegend.
Dr. Haeberlin und Frau Glamann gaben an, daß zwischen Lnm nnd Nlohe eine Brücke gesprengt war.
Nach den Bahnplänen fällt die Bahn von Manbellion — km 146 — aus fast dauernd in starken Neigungen <4 : 60) mit scharfen Krümmungen (120 m Halbmesser). Der Haltepunkt Manengole liegt in kin 141. Ungefähr bei kni 138 setzt eine 4,5 km lange Neigung 1 : 60 ein, in der eine 8-Kurve mit 120 m Halbmesser liegt. Hier kurz vor Manjo <kin 133) ist etwa die Entgleisungsstelle zu suchen. Der entgegenkommende Proviantwagen muß sich zwischen Manjo und Manengoteng (lern 127,6) befunden haben. Zwischen km 128,4 nnd 125,4 liegt eine Horizontale von 3 Irrn Länge. In dieser Wagerechten liegt die Haltestelle Manengoteng. Kurz vor Nlohe (114,7 kni) liegt eine kurze Steigung (1 i 80), die Haltestelle selbst liegt in einer Steigung 1.400. In Kin1!5 befindet sich die Dibombe-Brücke. Lum liegt in kni 107. Als gesprengt ist mit größter Wahrscheinlichkeit die 36 m-Mittelöffnung der Dibombe-Brücke anzunehmen
Abgesehen von dem einen Widerspruch, daß nach Fetzner zwei Bahnwagen abgelassen wurden, nach den anderen nur ein Bahnwagen, besteht in den Aussagen gute Übereinstimmung. Daß die Kilometerzahlen nicht immer richtig angegeben wurden und die Dibombe-Brücke von Dr. Haeberlin und Frau Glamann als zwischen Lum und Nlohe liegend bezeichnet wird, ist für die Beurteilung des Falles belanglos.
Es liegt aber eine grobe Fahrlässigkeit vor. Man kann vielleicht einwenden, daß der Engländer nicht über technische Kenntnisse verfügt hat. Er hatte aber die Bahn begangen nnd mußte auch als Laie wissen, daß auf einer Bahn mit so starken
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