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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Ausmgsweise Abschrift zu IV. 2016. 15.

Anlage 9.

Königliches Amtsgericht Tübingen.

Geschehen, den 9. September 1915.

Anwesend:

Oberamtsrichter Bauer als Richter,

Not. Kand. Gugel

als Protokollführer.

Es ist Termin zur Vernehmung der Zeugin Koch auf heute bestimmt.

Erschienen ist die Zeugin Hermine Koch. Nachdem dieselbe auf die Bedeutung des Eides hingewiesen worden war, wird sie vorschriftsmäßig beeidigt. Dieselbe gibt an: Zur Person: Hermine Koch, geb. Rumpfs, 29 Jahre alt, evangelisch, Ehe­frau des Emil Koch, Negierungsbaumeisters, z. Zt. in Gefangenschaft in England.

Zur Sache: Ich habe die an mich gestellten Fragen schriftlich beantwortet. Die Antworten gebe ich hiermit zu den Akten.

An der Hand des Fragebogens werden hierauf die Fragen und Antworten einzeln und wörtlich vom Richter mit der Zeugin durchgegangen und ihr vorgelesen und, wo erforderlich, ergänzt, worauf die Zeugin erklärt:

»Die ganze Darstellung bestätige ich als vollkommen richtig und habe derselben nichts mehr beizufügen «

Vorgelesen genehmigt unterschrieben gez. Hermine Koch, geb. Rumpfs.

Zur Beurkundung:

gez. Bauer. gez. Gugel.

Oberamtsrichter. Protokollführer.

Ich wurde auf der Straße von Deido nach Duala gefangengenommen, ohne noch einmal nach Hause zu dürfen, in den Hospitalgarten gebracht und kam von dort aus etwa 2 Stunden später auf ein Schiff.

Die Gefangennahme erfolgte durch schwarze Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett.

Ohne Rücksicht auf die tropische Mittagshitze mußte man vor den Europäerhäusern warten, bis die Leute herausgeholt waren. Dem Spott der Schwarzen war man verschiedentlich ausgesetzt.

Beschimpfungen der Duala hatten wir auf dem Wege vom Hospitalgarten zum Hafen zu erdulden.

Auf der »Oduasi« hatten die Frauen zu 3 und 4 enge Kabinen, die Männer waren im Laderaum untergebracht, woselbst für sie Kojen eingebaut waren

Im Lager Lagos gab es eiserne Bettstellen mit Strohmatten und Teppichen.

Das Wasser zum Waschen war gewöhnlich sehr knapp. Das Essen, hauptsächlich aus Suppe, Gemüse, Fleisch und Brot bestehend, war sehr oft verdorben. Vielmals roch das Fleisch, was das ganze Essen ungenießbar machte. Das Brot war oft schlecht

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