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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 6.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1037. 15.

Königliches Amtsgericht.

Gegenwärtig:

Gerichtsassessor Löschhorn als Richter, Referendar Hansen

als Gerichtsschreiber.

Neuruppin, den <>. April 1915.

Es erschien der Missionar Märtens zu Neuruppin und erklärte:

Zur Person: Ich heiße Wilhelm mit Vornamen, bin 38 Jahre alt, Baptist, zur Zeit am Missionshaus zu Neuruppin.

Am 27. September wurde Duala übergeben. Von dem Vorhaben unserer Feinde wurde uns nichts bekannt, jedoch gleich am Montag begannen die Engländer und Franzosen mit der Gefangennahme aller Deutschen und Österreicher. Gerüchtweise ver­lautete, daß die Missionen verschont bleiben würden. Zweimal wurden wir an diesem Tage von farbigen Patrouillen belästigt, die uns Männer gefangen abführen sollten.

Am Dienstag, 29. September, wurden wir schließlich, unter Bewachung von schwarzen Soldaten nach dem Regiernngshospital gebracht, das von den Engländern als Gefangenenlager benutzt wurde. Hier sprach ick einen englischen Offizier, der mir dann mitteilte, daß auch alle Missionare zu Gefangenen gemacht worden seien und wir gleich hier zu bleiben hätten. Ich bat darauf, mir und meiner Frau gegen Ehrenwort zu gestatten, noch einmal nach unserer Station zurückzukehren, um uns mit den nötigsten Sachen zu versehen, da wir weiter nichts, als was wir auf dein Leibe trugen, bei uns hätten. Diese Bitte wurde nicht erfüllt, wir waren Gefangene und kamen zu den anderen Gefangenen, die sich im Hospital befanden Hier blieben wir bis zum 30. nach- nachmittags. Jeder mußte sehen, wo er blieb j es wurden uns keine Räume angewiesen. Da die wenigen Räume bereits überfüllt waren, blieb ich mit meiner Frau und den anderen Angehörigen unserer Mission, die bald nach uns alle gefangen von den Franzosen eingebracht wurden, auf der Veranda.

Am 30. nachmittags wurden wir unter Bewachung von farbigen Soldaten nach dem Dampfer »Lattiurst« abgeführt. Für unser großes Gepäck wurden Träger gestellt, das kleinere'trugen wir selbst. Bis Donnerstag nachmittag (1. Oktober» blieben wir noch vor Bellstadt liegen. Wir fuhren dann hinaus nach der Mündung des Kamerun­flusses, wo wir in der Nähe der »^uinberluiick« vor Anker gingen. Gegen Mitternacht wurden wir durch rauhe Soldatenstimmcn von unseren harten Lagern aufgejagt Es waren Soldaten voll der »Ouinderlunck« all Bord unseres Schiffes gekommen, die unser Gepäck und unsere Kleider nach Geld durchsuchten, das jeden bis auf 100 Mark abgenommen lvurde. Ich hatte 200 Mark bei mir. Als die Soldaten zu mir kamen, sagte ich ihnen dies und sagte ihnen auch, daß das Geld für meine Frau und für eine ledige Missionarin, die beide unten in den Kabinen feien, bestimmt sei. Die Soldaten erwiderten, wenn meine Frau das Geld nicht bei sich habe, dann müsse ich es abgeben, worauf ich erklärte, dann wolle ich es ihnen hinunterfckaffen in die Kabine. Dies wurde mir aber nickt erlaubt, ick mußte das Geld herausgeben. Ich hatte noch einen Hundertmarkschein