74
Anlage 4.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 1399. 15.
Königliches Amtsgericht Verlin-Wedding,
Abt. 22.
Gegenwärtig:
Amtsrichter Blumenthal als Richter,
Sekretär Lenz
als Gerichtsschreiber.
Berlin, den l4. April 1915.
Es erschien die nachbenannte Zeugin Mit dem Gegenstände der Untersuchung bekannt gemacht, wurde sie, wie folgt, vernommen — nach Leistung des Zeugeneides —:
Ich heiße Olga Altmann, geb. Schäfer. Ich wohne in Berlin, Nazareth- kirchstraße 48. Verheiratet mit Zollaufseher Otto Altmann, keine Kinder.
Am 28. September wurden ich und mein Mann auf der Straße von Engländern und schwarzen Soldaten gefangen genommen. Wir wurden zuerst nach dem Gouvernements Hospital und nachmittags 4 Uhr aufs Schiff gebracht, es war ein kleiner englischer Frachtdampfer.
Bei dem Transport vom Hospital nach dem Schiff wurden gefangene Deutsche von englischen schwarzen Soldaten gestoßen, während die Bevölkerung von Duala dabeistand und uns beschimpfte So riefen sie: Oeimmrr srvine! Ich sah, wie schwarze englische Soldaten den Bezirksamtmann Wieneke stießen, so daß er über seineKoffer stolperte.
Auf dem kleinen Schiff müssen nach meiner Schätzung über 100 Deutsche gewesen sein. Auf dem Dampfer blieben wir die Nacht. Am Morgen fuhren wir auf das offene Meer zu dem großen Personendampfer »kllmüm.«. Auf dem kleinen Dampfer hatten wir nur schlechtes Wasser und HoA-senkos, welche ich nicht genießen konnte, bekommen. Mir und meinem Mann war in Duala nicht gestattet worden, Koffer zu holen, ebenso war es anderen ergangen. Ich hatte englische Offiziere in, Hospitalgarten vergeblich darum gebeten.
Bei Lagos wurden wir zunächst in ein Gelbfieberhospital gebracht, wo wir drei Tage blieben. Dann wurden wir mit der Eisenbahn ins Hinterland nach Ibadan ge
bracht. Dort waren mehrere 100 Deutsche. Wir wurden dort in kleinen Häusern, die etwa so waren wie unsere Boyräume, untergebracht. Hier waren wir etwa drei Wochen, vom 2. bis zum 20 Oktober 1614.
Die Abortverhältnisse waren schlecht, und zwar waren zu wenig Aborte vorhanden. Eine an Dysenterie Erkrankte mußte denselben Abort mit uns benutzen. Als mein Mann 'einmal für mich Wasser holen wollte und die mit Stacheldraht versehene Tür öffnete, riß ein schwarzer Soldat die Tür mit solcher Gewalt ihm aus der Hand, daß er sich den ganzen Mittelfinger aufriß.
Es g^b täglich Hammelgulasch j die Zubereitung durch die schwarzen Köche war schlecht. Mehrmals habe ich Maden in der Suppe, welche es vor dem Fleisch gab, gesehen.
Am 20. Oktober wurden wir wieder zurück nach Lagos auf den Dampfer »Obrmsi« gebracht, welcher uns nach England nach Sonthampton fühicke. Die Fahrt dauerte fünf Wochen.