Auszugsweise Abschrift zu IV. 79. 16.
Anlage 3.
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Amtsgericht.
Abteilung für Requisitionen in Strafsache». Hamburg, dtN 16. Juni 1015.
Gegenwärtig:
Amtsrichter Keuneke als Richter,
Gerichtsschreiber Sann ecke Gerichtsschreiber.
Es erschien auf Ladung die Zeugin Frau Böte für.
Sie erklärte zur Person: Vor- und Zuname: Marie Louise Bertha Bötefür, geb. Braun. Wohnort und Wohnung: Hainburg 26, Hirtenftraße 60". Geboren 2. November 1882. Ehefrau des Zolldirektors Bötefür, Kamerun.
Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung wohnten wir in Duala, woselbst »nein Ehemann Zolldirektor war. Ich war seit 5 Jahren in Kamerun ansässig. Unsere Wohnung befand sich im Dienstgebäude der Zollverwaltung. Nachdem am 27. September die Engländer Duala besetzt hatten, wurden wir am 28. aufgefordert, nach dem Hospitalgebäude zu kommen, und als Grund wurde angegeben, unsere Personalien sollten aufgenommen werden. Als wir in das Gebäude kamen, wurden die Türen hinter uns verschlossen und wir merkten, daß wir gefangen waren. Am Nachmittag desselben Tages wurden wir unter Bedeckung von schwarzen Soldaten an Bord des Dampfers Tokochu gebracht. Es war uns nicht gestattet worden, irgendwelche Sachen mitzunehmen. Ich hörte, daß die schwarzen Soldaten Flüche mit Bezug auf uns gebrauchten. So habe ich gehört, daß sie von deutschen Schweinen sprachen, und zwar in dem Negerenglisch, welches ich beherrsche.
Es ist selbstverständlich, daß wir Deutsche die Abführung durch bewaffnete schwarze Soldaten als einen ungeheuren Schimpf empfunden haben. Teile der eingeborenen Bevölkerung begleiteten den Transport zum Dampfer in großen Masten und beschimpften uns durch Zurufe: »Tötet die deutschen Schweine«.
Vorn Dampfer l^olLoch'u wurden wir auf dem Fluß auf den Dampfer »lllminn« überführt, der uns in 36 Stunden nach Lagos brachte.
Auf der »Lliniim» schon wurde uns das Geld über 100 Mark abgenommen. In Lagos selbst wurden wir nach der Ankunft in außerhalb der Stadt gelegenen Baracken gebracht, von denen die Engländer uns selbst sagten, daß es die Isolierbaracken für ansteckende Krankheiten seien.
Wir blieben in diesen Isolierbaracken 8 Tage und wurden dann mit drei anderen Ehepaaren auf direkte Anordnung des Gouverneurs in das Haus der Firma Witt L Busch verlegt, woselbst wir bis zum 20. Oktober untergebracht waren. Am 20. Oktober wurden wir auf den Dampfer »Oduusl« der Mäer-V Mieter Linie eingeschifft und erreichten am 26. November Southampton.
Der Dampfer »Odua8l« war meines Erachtens ein Frachtdampfer, auf dem sich nur wenige Kabinen befanden. Die Frauen und Kinder wurden in den Kabinen untergebracht, während unsere Männer in den Laderäumen schliefen. Sie schliefen dort auf übereinandergebauten Holzgestellen. Bettzeug gab es nicht, abgesehen von einer dünnen wollenen Decke. In den Kabinen hatten nur Frauen die üblichen Schiffsbetteu.
Die Verpflegung an Bord war unerträglich. Auf meine wiederholten Beschwerden gegenüber dem Transportleiter, Kapitän hat dieser mir gesagt, er habe seine