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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Gefühlsroheit und Gleichgültigkeit wurden von den Engländern der Ehefrau des Missionars Märtens gegenüber in der zu ihrem Tode führenden Krankheit gezeigt. Frau Märtens war bis zu ihrer Gefangennahme in Duala durchaus gesund, begann aber in dem Gefangenenlager in Christiansborg infolge der Entbehrungen zu kränkeln. Sie kam darauf 5 Tage ins Negierungshospital nach Aecra. Dort bestand die Für­sorge durch eine weiße Krankenschwester darin, , daß sie ihr abwechselnd flüssiges Chinin und Rizinus gab und sie, obwohl jedesmal Erbrechen erfolgte, so lange damit quälte, bis sie ganz erschöpft war. Frau Märtens wurde gleichwohl in das Gefangenenlager zurückgebracht, um nach 8 Tagen, während deren sie nur einmal einen flüchtigen Besuch eines Arztes erhielt, wieder in das Hospital zurückbefördert zu werden. Trotzdem sich ihr Zustand in kritischer Weise verschlimmerte, wurde ihrem Ehemann erst am Tage vor ihrem Tode gestattet, sie zu besuchen, als sie bereits so schwach war, daß sie nur noch flüstern konnte und eine Verständigung kaum noch möglich war. Keine der drei englischen Hospitalschwestcrn kümmerte sich um sie, vielmehr war sie ganz Eingeborenen überlasten. Trotzdem mußte der Ehemann des Abends wieder in das Gefangenenlager zurückkehren. Am folgenden Tage starb Frau Märtens, ohne daß sich selbst in den letzten Stunden ein weißer Arzt oder eine weiße Krankenschwester um sie gekümmert hätte. Erst nach dem Tode wurde dem Ehemann von dem Lagerkommandanten die Erlaubnis zum Ausgehen erteilt, um die er andauernd gebeten hatte, um seine totkranke Frau besuchen und Pflegen zu können (Kamerun, Anl. 6).

4. England.

Auch in England waren die Gefangenen aus Kamerun vor Schmähungen und Erniedrigungen nicht geschützt In Liverpool wurden sie von Gassenjungen mit Kot beworfen (Kamerun, Anl. 42, 44, 51). In London wurden die abfahrenden Deutschen, in der Mehrzahl Frauen, vom Pöbel durch Johlen und Steinwürfe be­lästigt (Kamerun, Anl. 44, 87). Auch wurde einem Teil der nach Deutschland ent­lassenen Frauen ein Abschied von ihren in England in Gefangenschaft verbleibenden Männern nicht gestattet (Kamerun, Anl. 89, 95), teils unnötig erschwert (Kamerun, Anl. 1, 4).

Für die Männer, die mitten im Winter aus den Tropen in England eintrafen, war in den Lagern in Queensferry und Handforth weder für gehörige Unterbringung, noch in sonstiger Weise genügend gesorgt.

Die Gefangenen, die nur dünne Tropenkleider trugen, litten auf der Fahrt von Liverpool nach der Station Queensferry im ungeheizten Zuge und von der Station zum Gefangenenlager empfindlich unter der Kälte (Kamerun, Anl. 69). Im Lager in Queensferry wurden die etwa 250 Gefangenen in einer 60 bis 80 m langen und 20 m breiten Fabrikhalle aus Stein untergebracht. Ein auf den kalten Steinboden gelegter schmaler Strohsack mit Strohkissen und zwei gebrauchten nicht wärmenden »Zuchthaus­decken« diente zum Schlafen. Trotz der zwei Heizkörper war es in der Halle empfindlich kalt und wegen Staub und Zugluft für aus den Tropen kommende Menschen sehr un­gesund (Kamerun, Anl. 37, 41, 54, 76).

In Handforth war die Unterkunft besonders mangelhaft... Die Gefangenen wurden in Fabrikschuppen untergebracht, die wegen des feuchten Fußbodens un­benutzt waren und deren Wände im oberen Teil aus Glas in Eisenrahmen - be­standen. Die Heizung genügte für die kalten Räume in keiner Weise (Kamerun,

Anl. 30, 93). , . ' ...