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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Männer und Frauen in einem Raum, in einer Negerhütte, ohne Bett nächtigen. Die (befangenen, die innerhalb einer Stunde das Missionsanwesen verlassen mußten, durften nur einen kleinen Koffer mitnehmen. Später ist die Station von den Engländern den Eingeborenen zur Plünderung überlassen worden (Kamerun, Aul. 69, 71).

XI.

Der Leiter der Baseler Mission im Ossidingebezirk, Missionar Stolz, wurde am '1. Januar 1915 mit seiner Frau kriegsgefangen weggeführt. Den größten Teil ihrer Habe mußten sie in ihrer Wohnung zurücklassen. Ihre beiden Pferde nahm ein Engländer ohne Bezahlung und ohne Aushändigung einer Bescheinigung an sich. Auf der neuntägigen Reise nach Calabar hatte namentlich Frau Stolz unter der Rücksichts­losigkeit eines den Transport begleitenden englischen Offiziers zu leiden. Dem Missionar Stolz wurden auf dem Transport aus seinem Blechkoffer etwa 800 ^ in bar ge­stohlen, außerdem silberne Löffel, Ausrüstungsgegenstände und Lebensmittel (Kamerun, Anl. 91).

v. 8m Gebiet der Mittellandbahn.

1 .

Ende Oktober 1914 haben die feindlichen Streitkräfte bei der Besetzung Edeas verschlossene Koffer und Schränke aufgebrochen und ihres Inhalts beraubt. Nicht

einmal das Eigentum der Kultusgemeinschaften wurde geschont. So

wurden in der Kirche der Pallotiner Mission die Tabernakeltüren und die Altartische zerschlagen, Marmorstatuen zerbrochen und seidene Tücher zerschnitten. Die Oberin der Pallotiner Mission wurde von einem farbigen Soldaten in Gegenwart eines weißen Vorgesetzten/ der lachend zusah, in rohester Weise am Scbleier gerissen und mit dem Messer bedroht (Kamerun, Anl. 26 Ziff 8., Ant. 99).

11 .

Am 21. Oktober 1914 setzten die Engländer bei Iadibo am linken Ufer des Kwa Kwa-Kricks am unteren Sanaga etwa 25 farbige Soldaten unter einem Offizier und ebenso viele Duala an Land. Soldaten und Duala plünderten die Faktorei von

.lobn Holt und steckten sie in Brand (Kamerun, Anl. 26 Ziff. 5).

III.

Ende Oktober 1914 wurde das Baseler Missionshaus in Lobethal am unteren Sanaga von schwarzen englischen Soldaten umstellt. Einer von ihnen sprang, während die andern auf einen Missionar, der zu seinem Wohnhaus gehen wollte, anlegten, auf diesen zu und packte ihn mit den Worten: are xrisonor". Sodann rissen

sie ihm die Jacke vom Leibe und führten ihn vor einen englischen Offizier, nachdem sie ihm Uhr, Geld und Schlüssel geraubt hatten. Zwei Missionsfrauen und ein anderer Missionar wurden ebenfalls durch schwarze Soldaten vor diesen Offizier geschleppt, nachdem ihnen alles, was sie in den Taschen hatten, abgenommen worden war. Den Frauen wurden sogar von den schwarzen Soldaten die Eheringe gewaltsam von den Fingern gerissen. Hierauf wurden die Missionare und Frauen von dem englischen O,fizier mit vier schwarzen Soldaten in ein Zimmer eingeschlossen. Von dort konnten sie sehen, wie Leibwäsche, Schuhe, Mehl, Reis, Konserven, Hühner und Enten der Missions- ungehörigen von den schwarzen Soldaten geraubt wurden. Später erhielten die Missionare eine halbe Stunde Zeit zum Packen, wobei sie auch das Fehlen von Taschenuhren und eines Photographischen Apparats feststellten (Kamerun, Anl. 78, 75).

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