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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Lage. Grenzen. Größe. Das große Südland.

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2. Das große KüöLand.

Seit sehr früher Zeit hat die Phantasie des Menschengeschlechts im Süden der Erde ein großes Festland gesucht, dessen hypothetische Umrisse sich auf den Karten der Jahrhunderte in verschiedenartiger Gestalt nachweisen lassen, und dessen Lage, je mehr man von der Erde kennen lernte, desto weiter nach Süden hinausgeschoben wurde, bis es jetzt auf den Raum um den Südpol innerhalb des Polarkreises zurückgedrängt worden ist.

Schon Ptolemäus nahm ein großes Süd land im südlichen Indischen Ozean an, und während des Mittelalters taucht hier und da die ungewisse Frage nach den südlichen Ländern auf, nimmt aber erst festere Gestalt an, nachdem die ihr entgegenstehende Ansicht von der Unbewohn­te arkeit der äquatorialen Gebiete, der 2orm liorricla, widerlegt war, namentlich aber, nachdem die Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhunderts weit südwärts reichende Länder hatten kennen lernen. Die Mündung des La Plata wurde auch von MagalhTes für eine das Südland abschneidende Meerenge gehalten, und nach Entdeckung der Magalhäes-Straße galt das südlich davon liegende Feuerland für den Nordrand des Südlandes. Auf dem Globus des Joh. Schoner von 1515 (s. die Karte bei S. 4) tritt es zuerst als Lrnsllis rsZ'io auf und wird hier bereits um fast den ganzen Umkreis des Südpols herumgelagert. Später nimmt das Südland den Namen Lrasilia , inkerior, dann larrn Nagmllnuiea, an, und Orontius Finüus führte es in der später bekannten Gestalt ein. Drake spricht sich zwar 1578 dagegen aus, daß ein Kontinent im Süden von der Magalhäes-Straße liege; allein da eins seiner Schiffe in 55° südl. Breite Küsten gesehen hatte, so entstand alsbald auf den Karten das Drake-Land, oder es zeigte z. B. die Weltkarte der Hakluyt Collection von 15991600 einen großen Kontinent, nunmehr unter dein Namen lernn austrnlis nonäum eo^uitn. Dieses Südland findet sich auf den besten Atlanten der damaligen Zeit, bei Ortelius, Mercator, Hondius und anderen, und verschwindet nun nicht eher, als bis Tasman Neuseeland gesehen, und auch dann nur auf den holländischen Karten. Zur Einzeich- nung dieses Südlandes mag die 1598 von Dirck Gherrits erreichte Entdeckung der jetzt Süd- Shetland-Jnseln genannten Gruppe vor der Südküste Südamerikas Veranlassung gegeben haben. Aber auch durch Entdeckungen in einem anderer: Erdteil als Südamerika hatte die Meinung vor: eurem großen Südlande neue Nahrung gewonnen, nämlich in Melanesien, wo 1568 Alvaro Mendana de Neyra die Salomonen gefunden hatte. Diese wurden sogleich mit Neuguinea und den unbekannten Ländern westlich der Magalhäes-Straße zu einen: großer: Gebiet irr: Süden ver­bunden. Um dieselbe Zeit wollte Juan Fernande; weit westlich von Südamerika ein neues Land gefunden haben, und es gingen mancherlei Gerrichte über Fahrten nach südlicher: Ländern. Als dann Fernande; de Quiros 1605 die Insel Espiritu Sarrto der Neuen Hebriden entdeckt hatte, bauschte er sie zu einen: Heiliggeistlande auf, das vor: der Größe ganz Europas und Kleinasiens samt Armeniens sein sollte. Es war daher begreiflich, daß die Kartei: die große lernn nustralis nicht aufgaben, vielmehr Quiros', Le Maire's und Schouten's Fahrt, die ar: und für sich mit der Aufsuchung eines Südlandes nichts zu thun hatte, ausbeuteten zur Verknüpfung jeder irr: Stiller: Ozean gemachter: Entdeckung mit der großer: lernn nnstrnlis (s. die Karte, S. 4).

Inzwischen fanden ir: der: erster: beider: Jahrzehnten die Holländer ir: der That die wirkliche lernn nnstrnlis, den australischen Kontinent, dessen gesamte westliche Hälfte sie bis 1640 auf­deckten. Die Folge dieser Entdeckungen war die berühmte Reise Abel Tasrnan's 1642, dessen Kurs Australien irr: Nordei: liegen ließ und sich unter höheren Breiten östlich warrdte. Diese Reise räumte für einige Zeit mit der: immer wieder auftretenden Südlarrdgerüchten auf; denn durch Tasrnan's Fahrt waren südliche Breiter: von 35"45° erreicht und festgestellt worden, daß nördlich des 40. Grades zwar ein Festland liege, daß sich dies aber nicht über der: 40. Grad