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VIII. Die Staaten und Kolonien.
dem Deutschen Reiche und den Tonga-Inseln und der Abtretung des Hafens Taulanga auf Wawau zur Errichtung einer Kohlenstation äußerte; 1879 folgte eine ähnlicher Vertrag mit England, beide besonders auf Veranlassung des Missionars Baker geschlossen. Seitdem kämpfen deutscher und britischer Einfluß nur die Herrschaft, und auf diese beiden Mächte verteilt sich auch der Handel. Im Jahre 1893 betrug der Gesamtwert der Einfuhr 1,410,770 Mark, wovon 820,400 auf England und dessen Kolonien, 272,600 auf Deutschland, 207,000 auf Samoa kamen; der der Ausfuhr 1,602,732 Mark, wovon 1 Million nach England, 502,732 nach Deutschland gingen; der Anteil der übrigen Länder ist somit sehr gering. Unter den 58 ausgelaufenen Schiffen waren 30 englische mit 18,089 und 13 deutsche mit 4400 Tonnen Gehalt.
Der wichtigste Ausfuhrartikel ist Kopra (1893 für 1,450,000 Mark), die getrockneten Kerne der Kokosnuß, deren Pflanzungen sich von Jahr zu Jahr auf den Inseln vermehren, ferner Früchte für 62,732 Mark, Lichtnüsse und Baumwolle, die vielfach nach den australischen Kolonien ausgeführt werden. Zwischen den Fidschi-Inseln und Tonga besteht eine englische Dampferlinie, und König Georg II. selbst besitzt europäische Schiffe.
Die Kultur hat sich besonders auf die Erbauung guter Straßen erstreckt, zu deren Erhaltung die Sträflinge angehalten werden, und gibt sich ferner in der Errichtung europäischer Häuser kund, die im australischen Villenstil erbaut und in: Inneren mit australischen Möbeln gut ausgestattet sind.
Das Land zerfällt in die vier Provinzen Hapai, Wawau, Niuafu und Niuatabutabu, während die Hauptinsel Tongatabu der direkten Verwaltung des Königs unterstellt ist. Statthalter sitzen auf den einzelnen Inseln, der bedeutendste auf Wawau. Drei Minister: der erste für Inneres, auswärtige Angelegenheiten, Krieg und Marine, der zweite für Domänen und öffentliche Arbeiten und der dritte für Rechtspflege, sowie ein Kabinettsrat stehen den: König zur Seite. Auch besteht feit 1877 eine Kammer der Abgeordneten, von deren 40 Mitgliedern 20 von: König ernannt, 20 vom Volke gewählt werden. Der Unterricht wird durch die Missionare geleitet, die auf allen Inseln Schulen errichtet haben und darin etwa 5000 Kinder unterrichten; es bestehen sogar zwei höhere Schulen: eine Industrieschule und ein Seminar. Eine Krone, ein Neichswappen, eine besondere tonganische Flagge und ein organisiertes Heer von 500 Alaun Garden und Artilleristen mit 8 Geschützen sowie die allgemeine Wehrpflicht tragen dazu bei, die Zivilisation dieses Jnselreiches äußerlich der europäischen zu nähern.
Industrie besteht seit langer Zeit. Auf Wawau werden schöne, feine Zeuge gewebt, Matten, Netze und Körbe vor allen: auf Hapai geflochten, und viele Mühe verwendet man auf kunstvolle Herstellung hölzerner, reich verzierter Geräte äus Holz und auf die Elfenbeinschnitzerei.
Die Hauptstadt von Tonga, Nukualofa, liegt auf der Hauptinsel Tongntabu, inmitten von Kokospalmen und Brotfruchtbäumen.. Sehr versteckt sind namentlich die Hütten der Tonganer (s. die Tafel bei S. 150), während sich an: Strande die größeren, den: Handel und der Schifffahrt dienenden Gebäude sowie die Residenz des Königs, ein villenartig gebautes Haus, ausdehnen. Den höchsten Punkt der Insel beherrscht eine große Kirche mit Palmblattdach, Säulen von harten: Holze, mit Orgel und Kanzel. An deutschen Ansiedelungen bestehen auf Tongatabu in: Süden Mua, Foschok und Vea und in: Nordosten eine nahe bei Hifohifo, ferner auf Ninafu und der großen Insel Wawau.
2. Das Königreich der Kamoa-Knseür.
Der zweite unabhängige Staat der Südsee ist das Königreich der Samoa-Jnseln, dessen Tage jedoch, ähnlich wie die Tongas und Hawaiis, gezählt sein dürften, da bereits seit