346
VII. Die Bevölkerung.
in die bnnten, schmutzigen Blanketts, mit dem nie fehlenden Pfeifenstummel im Munde und Schnaps begehrend. Ist man glücklich, so findet man noch einige alte Nephritstäbchen in den Ohren oder sieht Tättomierungen oder beobachtet den bekannten Nasengrnß (Hongi), welcher mit der ernsthaftesten Miene von alten Leuten noch ausgeübt wird, während die jüngeren schon den europäischen Kuß kennen. Die Hütten sind zumeist der charakteristischen, schöllen Schnitzereien entkleidet, welche mühsam lllit Muscheln oder Obsidian hergestellt waren; nur einzelne zeigen noch an den Balken oder auf dem Giebel Schnitzerei und Figuren, dabei aber auch schon Feilster. Ich habe keinen Maori mehr getroffen, der noch die wunderbar schönen Schnitzereien hätte allfertigen können, die einst die Geräte, Kanus, Häuser, Bildstatueu schmückten. Ein altes Maori-Werk erkennt Ulan sofort unter Hunderten voll Schnitzereien Heralls. Nur ganz bestimmte Motive wendete der Neuseeländer ail, und ullter diesen ragt die sich wieder aufrollende Spirale vor allen übrigen hervor, die angewendet wurde bei den Holzfiguren, beim Schmuck der Häuser, der Geräte, der Kanu- Schuäbel und bei den Tättomierungen. Gewiß, es ist ein großer Fortschritt, daß die Maori heute keine Kannibalen mehr sind, daß sie lesen und schreiben können; aber Künstler sind sie auch nicht mehr, und zu Grunde gehen sie sicher." Also werden nicht nur körperlich Mischlinge zwischen Europäern und Maori häufiger, sondern auch die Sitten und Gebräuche der Maori nach und nach so sehr voll europäischen durchsetzt, daß andere Nahrung, Kleidung, Wohnung eindringen und die Häuser ähnliche Mischtypen in der Bauart ausweisen wie ihre Bewohner.
Dies tritt aber auch in den religiösen Anschauungen hervor, insofern als die Maori, wenigstens dort, lvo sie noch in geschlossenen Massen wohnen, innerlich Heiden geblieben sind, äußerlich aber das Christentum angenommen haben und namentlich in dessen Entstellung zu höchst sonderbaren Kulten gelangen. So wurde beispielsweise der abgeschnittene Kopf des 1864 bei New Plymouth getöteten Kapitäns Lloyd das Symbol eines neuen Glaubens; die Maori behaupteten, dieser Kopf sei der Vermittler zwischen ihnen und Jehova, räucherten ihn und schleppten ihn im Lande herum, indem sie überall ernst gemeinte religiöse Andachtsübungen veranstalteten, ja den Kopf selbst unter geschickter Anwendung bauchrednerischer Kunststücke reden ließen.
Zll der Aufsaugung der Maori durch Mischung tritt ferner die langsame Zerstörung der Rasse durch Schwiudsucht, chrouisches Asthma, Skrofeln, die auch in manchen Gegenden schon ihren Einfluß auf die jüngere Generation geübt haben: einmal in geistigen: und körperlichen: Rückgang, dann aber in Verminderung der Fruchtbarkeit der Ehen; auch das übermäßige Trinken von Branntwein und das Tabakraucher: reibt das Volk auf.
„Statt der Kriegskeule", bemerkt Prieber, „führt die Hand des Maori jetzt Pflugschar, Axt und Grabscheit, und als Chausseearbeiter Haber: sie Vorzügliches geleistet; viele Landstraßen der Nordinsel sind das Werk der Maori, sie Haber: auch die Telegraphenpfähle eingerammt und abends Schaffleisch und Kartoffeln geschmaust. Als ich einst einer: Trupp Maori bei solcher Arbeit und solchem Esser: traf, da enthüllte sich mir eir: Stück Kolonialgeschichte." In der That, nichts vermag eir: treffenderes Schlaglicht auf die Veränderung der Verhältnisse ir: Neuseeland und die Znrückdrängung der Maori zu werfen als die Thatsache, daß sich irr: Jahre 1875 der Pah des letzter: Königs William ir: einen Bahnhof verwandelte.
L Die Mission.
Die Entdeckung der polynesischer: Inseln fiel ir: eine Zeit, wo ir: Europa Gefühlsschwärmerer, romantische Neigungen und Humanitätsregungen das geistige Leben so sehr beherrschter:, wie nie zuvor. Daraus ergab sich eir: ungeheurer Optimismus ir: der: herrschender: Ansichten vor: dem Leben der Südsee-Jnsulaner, das uns jetzt lächerlich erscheinende Gerede vor: der: glücklicher: