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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
312
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geltend. Während sich beispielsweise Lesson 1824, Steinthal 1874, A. Vastian 1883, G. Gerland 1870 und 1890 für selbständige Stellung der Mikronesier gegenüber Melanesiern und Poly- nesiern meist aus ethnologischen und sprachlichen Gründen ausgesprochen haben, erklärten Dnmont d'llrville 1825, 1838, Meinecke 1874 und O. Finsch 1880 die Mikronesier für eine Unterabteilung der Polpnesier; Peschel hält sie für ein Mischvolk aus Melanesiern und Poly- nesiern, Friedrich Müller und Semper glauben an Mischung Zwischen Malapen und Melanesiern, Krause und von Luschan endlich an Mischung zwischen allen drei Elenwnten. In: ganzen wird aber von fast allen Gelehrten eine nahe Verwandtschaft mit der: Polynesiern angenommen.

1. Ire Westmikronesier: Die UaLauer und Karotinier.

Bei der Schilderung der an Körpergestalt einander durchaus nicht gleichartigen West- mikronesier, der Palauer und Karolinier folgt man am besten den Untersuchungen Kubary's, die in:,Journal des Museum Godeffroch niedergelegt sind.

Die Bevölkerung von Dap (25003000 oder mehr) ist von hellerer Hautfarbe als die Palauer und größer an Wuchs. Ihre Gesichtszüge tragen nach Kubary's Schilderung (,Journal des Museum Godeffrmfi, Heft 1)unverkennbar den Typus der malayischen Nasse. Das Antlitz ist breit, etwas abgeflacht, die Nase kurz, mit dick und fleischig entwickelten Flügeln, die platt an­liegen, die Augen etwas schief geschlitzt. Die Augenwimpern sind lang, dick und von schwarzer Farbe, die Brauen wohl gewölbt, aber selten buschig, die Lippen dick, aufgeworfen und von bläulichroter Färbung, das Kinn breit, vorstehend, die Zähne kräftig entwickelt, bei den Er­wachsenen aber durch künstliches Färben und Betelkauen geschwärzt. Die Barthaare sind zwar in: allgemeinen schwach entwickelt, indessen finden sich doch ansehnliche Bärte bei älteren Männern. Die Kopfhaare sind meist schlicht und werden von beiden Geschlechtern lang getragen, aber für gewöhnlich seitwärts in einen Knoten aufgemunden. Die Männer sind in: allgemeinen kräftig gebaut, aber eher mager als beleibt zu nennen. Die Frauen sind in der Jugend von nicht un­angenehmen: Äußeren und haben meist kräftig entwickelte, etwas spitze Brüste. Die Füße und Hände derselben sind von mittlerer Größe, die ersteren eher groß als klein zu nennen, aber, wie die ganzen Extremitäten, sehr gelenkig. Wie bei allen diesen Völkerschaften altern die Frauen frühzeitig und werde:: alsdann häßlich."

Die Kleidung beschränkt sich auf eine gürtelartig um die Lende geschlungene feine Matte und den aus rotgefärbten Bastfasern hergestelltenLit". Die Schürze wird unter den Gürtel vorn hineingeschoben, zwischen die Beine durchgezogen und hinten unter den: Gürtel wieder durchgesteckt, so daß-worn und hinten ein Bastfaserbüschel, eine kärgliche Bedeckung, herabhängt. Sklaven und nicht mannbare Jünglinge tragen anstatt desLit" eine Blatt- oder Mattenschürze.Die Gürtel­matte besteht", nach Knbary (,Journal des Museum Godeffroch),aus feinen, verschieden ge­färbten, meist weißen und schwarzen Blattfaserstreifen, die durch wiederholte Spaltungen der langen, getrockneten Blätter des Schraubenbaumes gewonnen werden. Diese werden mittels eines Webstnhles einfacher Konstruktion so ineinander gewoben, daß verschiedene regelmäßige Zeichnungen auf der Matte entstehen. Es sind dies unzweifelhaft die feinsten und schönsten Matten, welche von Einwohnern der Südsee-Jnseln verfertigt werden. Alle übrigen Matten Polynesiens wie Mikronesiens sind nur von der Hand geflochten." Die besten Matten und Schürzen kommen von der Ulithi-Gruppe, von wo sie als Tribut nach Jap abgegeben werden.

Die Frauen tragen nur eine Blätterschürze, die meist aus den großen, an Kokosfaserschnüre gereihten Pisang-Blättern besteht, aber bis zum Knie hinabreicht. Bei Festlichkeiten werden