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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VI. Die Tierwelt.

Da nun Australien neun Zehntel aller bekannten Arten von Beuteltieren beherbergt, so darf nran seine Fauna ohne weiteres als eine veraltete, früheren Perioden der Erdgeschichte entspre­chende bezeichnen. Auf Neuguinea finden wir noch eine ganze Reihe voll Beuteltieren; die übrigen melanesischen und die mikronesischen Inseln haben dann scholl nur wenige Arten auszuweisen, und auf deu Polynesischen Inseln und Neuseeland fehlen sie ganz.

Infolge der langeil Isolierung vermochten sich ferner eigentümliche Vogelarten aus­zubilden, unter denen die flügellosen Bügel Neuseelands zu den eigentümlichsten Tieren ge­hören, die die weite Erde birgt.

Die insulare Natur unseres Gebietes erlaubt daher, aus der australischen Region, der man llüt Wallace Australien, Ozeanien und einen Teil der Malayischen Inseln (s. die beigeheftete Karte der Verbreitung der Tiere in Australien und Ozeanien") zurechnet, vier Unterabteilungen herauszuschälen, nämlich:

1) Die australische Subregion, das Festland Australien mit Tasmanien.

2) Die austro-mnlayische Subregion, Neuguinea, Bismarck-Archipel, Salomonen.

3) Die polynesische Subregion, Polynesien, Mikronesien, Neukaledonien, die Neueil

Hebriden und Fidschi-Inseln.

4) Die neuseeländische Subregion, die Neuseeland-Gruppe.

1. Die australische Kubregion.

Der eigentliche Kern der australischen Region ist die das Festland Australien umfassende australische Subregion, weil sich in ihr die charakteristischen Typen der australischen Tier­welt am reinsten ausprägen. Ausgezeichnet ist die australische Subregion wie die australische Region überhaupt durch das völlige Fehleu aller nicht aquatischen und aller placentalen Säuge­tiere der Alten Welt, mit Ausnahme der Fledermäuse und der Nager, zweier kosmopolitischer Ord­nungen. Voll Nagern besitzt Australien aber nur die Familie der Nnriäas; und diese Mäuse sind meist auch nur kleine oder höchstens mäßig große Tiere. Dafür treten zum Ersatz für die fehlenden Vierhänder, Fleischfresser lind Huftiere in Australien die Beuteltiere und Kloakentiere, Nursnpiuliu und Nonotremutu, beides aplacentale Säugetiere, auf. Die zweite dieser beiden Ordnungen wird nirgendwo anders als in der australischen Region gefunden, während die erste nur noch durch die Falllilie der DiäelxllMus im östlichen Südamerika vertreten wird.

Auch die Nouotremuta, Kloakentiere, werden nur noch durch zwei Formen, das Schnabel­tier (OriMiorliMelluch und den igelartigen Mllicina, repräsentiert, voll denen jenes in Australien und Tasmanien, Leliiänu llMrix nur in den südöstlichen Gebirgen Australiens, L. satosa. in Tasmanien vorkommt. Diese Tiere heißen Kloakentiere, weil die Mündungen der Geschlechts­und Harnwege wie bei den Vögeln in einer Kloake, dem erweiterten Ende des Mastdarms, aus­genommen werden. Sie besitzen schnabelförmige Kiefer, kurze, fünfzehige, stark bekrallte Füße und Beutelknochen, all denen beim Weibchen voll Lellickim ein Beutel befestigt ist. In seiner Gestalt erinnert das Schnabeltier an den Fischotter oder den Maulwurf, Lolüclna, mehr all Ameisen­fresser und Igel. Lellickrm hat eine zahnlose Schnauze, wurmförmig vorgestreckte Zunge, kräftige Krallen zum Scharren und raschen Eingraben sowie einen Stachelpanzer, lebt auf dein Lande, meidet das Wasser und vermag sich selbst in steinigem Boden wegen seines erdfarbenen Aus­sehens gut zu verstecken. Seine Nahrung besteht aus Kerbtieren, Würmern, besonders aber aus Ameisen und Termiten.

Das Schnabeltier (s. Abbildung, S. 243) erinnert nicht nur in seiner Anatomie sehr all die Vögel, es hat auch einen entenähnlichen Schnabel, mit dem es im Schlamme nach Nahrnng