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V. Die Pflanzenwelt.
wenig bewaldet, dagegen mit Gras, Rohr und Buschwerk überwuchert, durch welche sich der steile Pfad oft über und um Felsblöcke und sollst zu Tage tretendes Gestein herum aufwärts windet, bis er sich in einer Höhe voll 300 m mehr eben am Berge schlangelt und eine wundervolle Aussicht auf das tiefblaue Meer und die schäumenden Riffe all beiden Seiten der Insel bietet. Auf der Höhe, bis wohin die einzelnen Felder durch Pfade mit Bananenreihell abgeteilt sind, ist keine einzige Stelle kahl, ein fast undurchdringlicher, pfadloser, mächtiger Forst bedeckt den breiten, runden Bergrücken, der durch den Ruf der Papageien und das tiefe Bellen der großen Tauben belebt wird. Nach Osten fällt der Boden in eine tiefe Schlucht mit üppiger Vegetation ab, der Weg selbst aber senkt sich allmählich. Jvi (Inoenrxus eäulis I"o-'5§.), Ndava (Mxlislinm xin- nntnm), die wohlriechende Wafsewulle und Waffe Dum Dum wechseln auf den mit Steinen eingefaßten Süßkartoffeln- und Mmsfeldern miteinander ab, bis Bananen, Mammeapple lind Zuckerrohranpflanzungen die Nähe des Dorfes verraten."
Besonders dicht ist der Wald in den höheren Teilen der Inseln. Einer der wenigen bestiegenen Gipfel der Gruppe, der Büke Levu auf Kandavu, ist von tiefem grünen Walde überzogen. „Wirres Unterholz, Felsen, Lianen, schlüpfriges feines Moos, Schluchten mit langbemoosten Steinblöcken wechseln hier ab; in der Höhe bedecken sich die Bäume mit großen Flechten und langen weißen Moosen, die elegante Karl Märi (stelln montnnn) haftet mit ihren hellgrünen Fächern, Blüten und Samenbüscheln in Felsen und Ästen, und das Schlangengerippe mit seinen Blütenglöckchen nickte uns freundlich zu. Das myrtenblätterige Buschwerk wurde knorriger, das Gestrüpp dichter, so ging's auswärts über feuchten, schlüpfrigen, faulenden Pflanzenmulb auf die von Farngestrüpp, Busch und Baumwerk bedeckte Höhe." (Kleinschmidt.)
7. Polynesien.
Alle Inselgruppen des Großen Ozeans östlich von den: Fidschi-Archipel können als poly- nesische Vegetationsregion zusammengefaßt werden. Nach Drake del Castillo haben die fran- zösisck/-polynesischen Inseln nur 20 Prozent, die Fidschi-Gruppe schon 40 Prozent, Hawaii dagegen sogar 86 Prozent endemischer Elemente, und der australische, asiatische, amerikanische und neuseeländische Typus streiten sich nur die Herrschaft über die Inseln. Während auf den Fidschi- Inseln 59 Prozent der Arten asiatisch, 26 kosmopolitisch und nur je 3 australisch und neuseeländisch, 9 amerikanisch sind, nimmt der amerikanische Typus nach Osteu zu. In den hier zu behandelnden zentralpolynesischen und östlichen Inseln ist bereits ein Fünftel der Arten amerikanisch, nur uoch je ein Fünfzigste! australisch und neuseeländisch, die Hälfte asiatisch.
In: allgemeinen ist der Flora Polynesiens charakteristisch, daß ihre Üppigkeit nach Osten hin abnimmt. Manche Pflanzen, die von Westen kamen, konnten die östlichsten Inseln noch nicht erreichen: während die ^wauenria. schon auf den Neuen Hebriden fehlt, rücken Putins und Da-mmura, bis zu den Fidschi-Inseln vor, die Kentiapalme fehlt ebenfalls bereits in Polynesien, die Gattung Onlamus bewohnt zwar noch die Salomonen, nicht aber mehr die Neuen Hebriden und Neukaledonien, die Sagopalme reicht hinüber bis nach Tahiti. Arten
finden sich auf allen Inseln Polynesiens und bilden mit Kokospalmen und dein Brotfruchtbaum die wichtigsten Pflanzen, selbst auf kleinen Riffen.
Auf den Tonga-Inseln ist der indische Charakter der Vegetation noch deutlicher ausgeprägt als auf den Fidschi-Inseln. Noch mehr ist dies auf den Samoa-Jnseln der Fall, obwohl sie der neuseeländischen Vegetationsregion ziemlich nahe liegen. Hier im Vergwalde bedecken Farne in ungeheuren Mengen den Fuß der Bäume, die Zweige, den Stamm, überzogen von zahllosei: Schlingpflanzen, die immer noch den: Sonnenlicht Zutritt erlauben. Dort dagegen, wo-