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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Spimsex-Wüsten. Melanesien.

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bewohnen. Da hier von außerhalb Australien nur 1338 (15,i Prozent) vorkommen, ist der Ende- mismus der Flora mit 7501 Arten außerordentlich groß. Westaustralien mit seinen 3560 Arten (40,3 Prozent) hat davon die meisten eigenartigen Gewächse geliefert; hierauf folgen Queensland und Neusüdwales mit 3753 und 3251, dann Nordaustralien mit nur 1956, Südaustralieu mit 1892, Victoria mit 1894 und endlich Tasmanien mit 1029 Arten.

6. Mel'anelien.

Melanesien bietet uns ein von Australien recht verschiedenes Vegetationsbild, insofern als es durchaus tropischen Charakter hat. Max Hollrung, einer der besten Kenner der Flora Neu­guineas, sagt über diesen Unterschied (,Nachrichten über Kaiser-Wilhelms-Lantü, IV):In Neu- holland wüste Plätze, Steppenformation, kurzgrasige Wiesen, grasiger offener Wald aus wenigen Gattungen zusammengesetzt, die Belaubung der Bäume etwas dünn, das Laub starr, steif, lederig oder filzig, gleichsam Zeugnis von dem Wassermangel,unter dem dieVäume häufig zu leiden haben, ablegend, in: Norden vielfach niedriger Busch und das Grasland quantitativ das Waldland über­ragend. In Kaiser-Wilhelms-Land macht die Pflanzenwelt dahingegen der: Eindruck des Strotzen­den, nimmer Notleidenden, Ungezügelten und Üppigen. Zum Teil mögen diese Unterschiede wohl durch die verschiedenartige Bodenbeschaffenheit bedingt sein, weit mehr aber sind die klimatischen Elemente von Einfluß darauf. Der Wasserreichtum des Bodens, der vollständige Mangel an heißen trockenen Luftströmungen, die beständig einen hohen Feuchtigkeitsgrad besitzende Luft an sich sprechen deutlich aus der Pflanzenwelt des Kaiser-Wilhelms-Landes."

Da das, was hier von Neuguinea gesagt ist, auch vom übrigen Melanesien gilt, so darf man die Vegetationsverhältnisse Neuguineas als typisch für die Inselwelt in: Norden Austra­liens hinstellen. Der ganze Bismarck-Archipel und die Gruppe der Salomonen gehören der­selben Vegetationsregion an wie Neuguinea, die Drude als papuauische Region zusammen­faßt und durch die Palme inueroeal^x, Lania UMÄllova und Mincltzi'siu papuana

charakterisiert. Nur Neukaledonien, die Neuen Hebriden und Banks-Inseln bilden mit der Fidschi-Gruppe zusammen eine abweichende Vegetationsregion: die der Kentiapnlmen, der Araukarien und Kaurifichten.

Die deutsche Besitzergreifung von: Jahre 1884 hat die Erforschung der Vegetation von Neu­guinea sehr gefördert. Wesentlich zum Zwecke der Information über Nutzpflanzen wurden von der Neuguinea-Gesellschaft nacheinander mehrere Botaniker nach Kaiser-Wilhelms-Land gesandt, unter denen Hollrung die eingehendsten, 1889 irr den: Beihefte zu der: Nachrichten über Kaiser- Wilhelms-Land veröffentlichten Studien gemacht hat. Außerdem aber haben andere Botaniker, wie Marburg, zur Erforschung der Flora der heimatlichen Nordostküste Neuguineas so viel bei­getragen, daß diese jetzt besser bekannt ist als die der britischen und holländischen Teile der großen Insel. Hollrung unterscheidet in Kaiser-Wilhelms-Land die Vegetationsformntionen: Mangrove- wald, Küstenwald, Bergwald, Sagopalmendickicht, Bambusdickicht und Grasland, Marburg dagegen: die Mangrove-Küstenvegetation, den sekundären Buschwald, die Grasflächen, die Sa­vannen des Fly-Flusses uud den primären Wald (Urwald mit vielerlei Abteilungen). Da Holl- rungs Einteilung nur Kaiser-Wilhelms-Land, die Marburgs dagegen auch das übrige Neu­guinea berücksichtigt, so wollen wir uns dieser anschließen.

Man kennt jetzt in Neuguinea ebensoviel höhere Pflanzen wie in Deutschland, nämlich 2000, von denen über die Hälfte in Kaiser-Wilhelms-Land aufgefunden worden ist. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß wir erst einen kleinen Teil kennen, und dazu kommt ferner, daß diese Flora, so weit sie bis jetzt bekannt ist, sehr reich an wichtigen und hervorragenden neuen Typen ist.