Die Pflanzenwelt Neuseelands.
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1. Neuseeland.
In Neuseeland finden wir eine untere und eine obere Pflanzenregion von verschiedenen: Charakter und bemerken außerdem einen Gegensatz zwischen den: Süden Neuseelands einerseits, der Mitte und dem Norden anderseits. Charakteristisch für die Inselgruppe ist die starke Mischung aus verschiedenen Beständen, namentlich in der Waldflora, nämlich aus Koniferen von durchaus australem Typus, Buchen, Drachenbäumen (s. Abb., S. 207), Proteaceen, Magnoliaceen und Farnbäumen, meist Farnen, die sehr an die Vegetation der südchilenischen Anden erinnern. Farne sind höchst eigenartig entwickelt, ersetzen geradezu die Gräser, bedecken in Gemeinschaft mit Gesträuchen weite Strecken des Landes und übertreffen an Menge alle anderen Farnenzonen der Erde.
Die untere Region Neuseelands wird durch die OzmUiea ckcmldata uud violrsouia 8gua- M083,, zwei bis 12 m hohe Farnbäume, bezeichnet, mit denen als besondere Charakterpflanzen die Buche, Rag'U8 Lolauäri, und Vitex littornlm genannt werden können. Außerdem sind sehr häufig und eigentümlich die Kaurifichte und andere Nadelhölzer. Neben den beiden genannten Baumfarnen ist der Nierenfarn, 1rie1ioma.u68 rsuitornm, am bekanntesten, vor allem aber Utsris einlenkn, eine unseren: Adlerfarn ähnliche Art, die den Maori zur Nahrung diente. Obgleich nun diese Farne aus den Bäumen, im Unterholz, am Boden wuchern und weithin die Heide überziehen, ist doch die Zahl ihrer Arten verhältnismäßig gering und kaun: so groß wie aus deu Saudwich-Jnselu. Immerhin prägen sie den: neuseeländischen Wald einer: eigenartigen Charakter auf. Dagegen sind Blumen und Blüten recht spärlich, und auch der Mangel an Tieren läßt die neuseeländischen Wälder tot und öde erscheinen, wohl aber ranken sich Schlingpflanzen in großer Zahl an den Bäumen empor, und zahllose Schniarotzergewächse sowie reiches Unterholz aus Gebüschen und Sträuchern stillen den Wald aus.
Der Wald selbst ist, wie bemerkt, aus zahlreichen Arten gemischt, immergrün und sehr hochstämmig. Am auffälligsten ist die Berührung tropischer und antarktischer Formen. Die Palmen- grenze verläuft über die Banks-Halbinsel quer nach der Westküste der Südinsel, so daß fast deren ganze nördliche Hälfte noch Palmen hat; ihre südlichste Vertreterin ist Leutia 8apiäa. Vambuse fehlen dagegen. Hoch entwickelt sind anderseits die Nadelhö lzer, unter denen die Kaurifichte, Dammura a-rmtwalm, die erste Rolle spielt (s. Abbild., S. 206). „Mit Recht", sagt v. Höchstetter, „nennt man die Kaurifichte die Köuigin des Waldes. Was die Edeltanne für die Wälder unserer deutschen Mittelgebirge ist, und was in jenen mächtigen Waldungen Vorderasiens, die meist das Zimmerholz zu den phönikischen Schiffen und das Bauholz für den salomonischen Tempel lieferten, die berühmte Zeder des Libanon war, oder was heutzutage in den Urwäldern Kaliforniens der Riese unter den Baumriesen, der Mammutbaum ist, das ist für den Urwald der nördlichen wärmeren Gegenden Neuseelands die Kaurifichte." Feuchte Seeluft und trockener Thonboden scheinen die Lebensbedingungen der Kaurifichte zu sein. Sie findet sich aber nur noch an wenigen passenden Stellen, namentlich im Nordwesten Neuseelands, während früher die Wälder dieses Baumes überaus ausgedehnt waren. Ihr Anblick ist großartig, denn die gesellig wachsenden Bäume steigen säulenartig empor, und ein solcher Wald gleicht der Säulenhalle eines Domes. Ihre Höhe beträgt bis zu 50 m, die Dicke der Stämme bis zu 7 m, das Geäste ist außerordentlich mächtig. Auch dient die Kaurifichte Nutzzwecken, denn ihr Holz wird zu Eisenbahnschwellen, Schindeln, Möbeln, Mastei: verarbeitet; ihr Hauptwert liegt aber in ihren: Harz.
Unter den übrigen Nadelhölzern heben wir lülloeeckrcm Douiaua und die zu Kanoes verarbeiteten Uockoearpcm - Arten hervor, wie 1?ockoearpu8 cka.erzw1ioicl68, die Kahikateafichte, und den Miro, Uockoearpu8 teiwuLMsa. Weitere große Waldbäume sind der Tawai, eine