Zeitschriftenband 
[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

is

60 m. Oberflächengestalt.

Flinders-Kette kommenden Flüsse ihn: zuführen. Weiterhin unterbrechen die Öde der Wüste der Rote See (Reh Lake), die Island-Lagune, der Macfarlane-See und endlich der 100 m (?) hohe Gairdner-See; der von den: Flußgebiet des Reales durch die 600 m hohen Stuart-Berge, von der Küste durch den Südabfall des Tafellandes, die Gawler-Kette, und von dem Everard-See durch eine schmale Niederung getrennt ist. Westlich von ihn: steigt der Finke-Berg noch zu 600 m Höhe auf, dann aber folgt die weite Wüste an der Grenze von Süd- und Westaustralien, die große tertiäre Nullarbor-Ebene und Noman's Land, in die nur Giles und Tietkens eingedrungen sind, während Eyre 1840 an der Südküste entlang zog. Diese Nullarbor-Ebene oder das Bunda-Plateau ist (nach Täte) eine von einer Gneis-, Granit- und Schieferumrahmung ein­gefaßte Tafel von tertiären: Kalkstein, die nahezu lotrecht 5070 m zum Meer abfällt und auf eine Strecke von 160 ttm die Küste bildet. Über mächtigen, feuersteinhaltigen Schichten der Kreide liegt gelblicher loser Bryozoenkalkstein und darüber der die Oberfläche bildende harte, braune, graue oder rötliche Kalkstein, der jeglichen Baumwuchses ermangelt, so daß die Bezeich­nung Nullarbor Platt: wohl gerechtfertigt erscheint. Wasser- und Thalrinnen gibt es nicht, da­gegen durchziehen Höhlen den Kalkstein. Das Ganze ist von einer so erschreckenden Trostlosigkeit, wie sie kaun: in einen: andern Teile Australiens wiedergefunden wird.

Diese tertiäre Scholle setzt sich über die Halbinsel Eyria fort: traurige, öde Gegenden, fast ohne Wasserläufe, mit nur wenigen Quellen, deren Umgebung zum Schauplatz gewinnbringen­der Viehzucht auf den: spärlichen und von mancherlei Bäumen bestandenen Grasland gemacht worden ist. Flach, sandig, mit Kalkstein bedeckt, mit geringen: Gestrüpp von Eukalypten und anderen Myrtaceen bestanden, ist auch die Halbinsel Dorke, der letzte Ausläufer der tertiären Scholle, eigentlich noch öder als die Halbinsel Eyria, weil sie nicht eine einzige Wasserrinne besitzt; ihr Reichtum an Kupfer hat aber die Bildung mehrerer Ansiedelungen an der Küste veranlaßt.

2. Die Hebirgszüge von KüdaustraLien.

In der Gegend des Eyre-Sees beginnt das große australische Tiefland, das die Strom­gebiete des Murray-Darling, Cooper-Barcoo, Warburton und Flinders umfaßt und sich bis an den Fuß des großen ostaustralischen Faltungsgebirges ausdehnt. Bevor wir jedoch dieses Tiefland besprechen, müssen wir einer Anzahl von Gebirgsketten gedenken, die ähnlich wie die pam- pinen Sierren und Antikordilleren Argentiniens vor den Anden aus der Pampa, so hier aus dem australischen Tiefland aufsteigen. Alle diese Gebirge bestehen aus paläozoischen Schiefern und Quarziten und haben zum Teil einen archäischen Kern aus Gneis und Glimmerschiefer, der, wie es scheint, die höchsten Schichten der Flinders-Kette bildet; außerdem sind alle diese Berg­ketten stark gefaltet und erheblich älter als das sie umgebende Land. Wir rechnen zu ihnen die Denison-Kette, die Flinders-Kette, das Adelaide-Gebirge und ferner die Barrier-, Stanley- oder Burkley- und die Grey-Kette. Als nördlichsten Ausläufer dieser Antikordilleren betrachtet E. Sueß die MacKinlay-Kette in Nordwest-Queensland.

Der westlichste dieser Züge ist die Denison-Kette am Westufer des Eyre-Sees, ein steil ge­faltetes Schiefer- und Quarzitgebirge, das vielleicht mit den: aus purpurroten Schiefern bestehenden Mount Northwest zusammenhängt, der am Nordrande des Torrens-Sees aus den weiten thonigen Flächen südlich des Eyre-Sees emporragt. Dieser soll die nordwestliche Fortsetzung der be­deutendsten dieser Antikordilleren, der Flinders-Kette, sein, die dem Ostrande des Torrens- Sees und des Spencer-Golfes entlang läuft, bogenförmig gekrümmt ist und zu 900 m Höhe ansteigt. Die Flinders-Kette ist ein aus Schiefern, Kalksteinen und Sandsteinen des Silurs und Devons sowie archäischen Gesteinen, Gneis und Glimmerschiefer bestehendes, recht ödes